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09.03.02: Erster echter Thermikflug vom Gampersberger – *sehr empfehlenswert!*

09.03.02: Erster echter Thermikflug vom Gampersberger - *sehr empfehlenswert!*

Nachdem ich am 04.03. 2002 mein erstes Saison-Ziel bereits erreicht hatte (Gamper-Überhöhung; exakt: 1383m; Flugdauer 1 h 4 Min), gelang mir und Fliegerkollegen Tom Fasching der bisher atemberaubendste Flug meiner ganzen Paragleiter-Karriere: Ein Flug hoch über die Angern hinaus bis auf eine Höhe von 2465m; Dauer 3 h 1 Min!
Bei diesem Flug war alles dabei: Mut, Konzentration, Ausdauer aber vor allem eines: FASZINATION!
Also nun zur Chronologie eines perfekten Flugtages…

Die letzten zwei Tage vor besagtem Samstag hatte Süd-Föhn den südlich ausgerichteten Gamper-Hang vom Schnee nahezu befreit und vom Tal her war es bereits weitgehend trocken – trotzdem übernacht noch ausgiebig kalt: ideale Bedingungen für die erste Frühjahrsthermik also…
An diesem Tag ist es uns (das erste Mal überhaupt glaub ich *g*) gelungen, echt stressfrei an das geplante Flugvorhaben zu gehen. Mit von der Partie diesmal: Jörg Stieg, Christian Luiki und Thomas Fasching von den „erfahrenen Cracks“ und Hans Stroitz, Sepp Gruber, Stani und ich in der „Intermediate-Klasse“, sowie Bäck und Martin Griesser in der „Neueinsteiger/WannImmerErEinenSchirmBekommt-Liga“…

Nachdem wir allesamt beim ersten Flug abgesoffen waren, ging’s gemütlich nochmal rauf zum Startplatz. Wenigstens habe ich mein neues Gurtzeug (Skyline Smart Pro) nach diesem Flug richtig einstellen können. *g*

Blies vorher schon ein laues Lüftchen den Starthang hoch, so fand die Windhose diesmal kaum noch den Weg Richtung Boden – „jetzt musste es wohl gehen“ dachten Jörg und ich noch beim Hochgehen…
Hans und Tom wählten die besagte „Süd-Rinne“ und soffen leider auch beim zweiten Versuch mehr oder weniger schnell ab. Nach haarigen Starts flogen Bäck und Martin raus – beide ohne Vario hatten sie keine echte Chance, die schwache Frühjahrsthermik auf Dauer zu nutzen…

Ich startete gegen 13.45 Uhr in die nächste Ablöse und wählte den Flug geradeaus Richtung Strommasten – ein schwacher aber zuverlässiger Thermikbringer, wie ich meine – im Gegensatz zu den Cracks, die ja allzeit nur auf die „Rinne“ schwören…

Es war eine Rauferei! 0.5 bis max 1.3 m/s steigen und das in engen, leicht zerrissenen Ablösen, aber ich hielt mich – ALS EINZIGER! Ich sah die Jungs unten am Landeplatz in kleinen Grupen stehen – offensichtlich begutachtend, was der Newbie Lex da in den Himmel zaubert…

 

Die Sonne zog gegen Westen – das Tal war noch besser aufgeheizt und die Thermik wurde minimal besser. So kurbelte ich fast eine halbe Stunde Meter für Meter über Stani, der in der Preinschberger-Wiese unter mir gelandet war.

Meiner Meinung nach ist die Thermik zu dieser Jahreszeit in der Süd-West-Rinne noch zu unergiebig, um IN der Rinne einzusteigen und hochzukommen – man muss definitiv 10-20 m darüber einsteigen, um eine halbwegse Chance zu haben…
So blieb ich in den Mini-Bärtchen bis ich einmal ein paar Heber für einen Flug Richtung Rinne nutzen konnte – „JETZT ODER NIE“ hieß es nun…
…und tatsächlich: Ein absolut enger aber dafür halbwegs verlässlicher Thermik-Schlauch stand minimal nach Nordost versetzt von der Rinne herauf. Im Augenwinkel meine Fliegerkollegen betrachtend, wie sie zu ihrem dritten Versuch aufbrachen, kratzte ich mich der Waldgrenze entlang in S-Schleifen hoch bis zum Bergrücken – geschafft! – „Viel mehr wird heut wahrscheinlich net drin sein“, dachte ich mir und so graste ich 200 m über den Köpfen der anderen Vereinsjünger den Kamm ab – super Gelegenheit, die verschiedenen Eindrehmöglichkeiten ausgiebig zu testen, denn die Thermik war nur minmal besser, dafür aber konstanter.

Ich entsann mich der stets guten Ratschläge meines Arbeits- und Fliegerkollegen Jörg, der mir nach meinem letzten Flug erzählt hatte, weiter ostlich stehe ein verlässlicher Bart. Wieder ein Baumschlag, süd-westlich ausgerichtet, Sonne strahlt direkt ein – müsste eigentlich gehen.
Eine Zitterpartie bis dort hin, war ich doch beim Entschluss dorthin zu fliegen (ca. nach 1 h Flugzeit) grademal ca. 50-70 m über dem Zielpunkt und das zu überfliegende Gebiet war schon teilweise abgeschattet – und so war es auch: hinterm Gamper: nichts, über der roten Wand: nichts und so kam ich in Baumhöhe bei dem Schlag an – eine markante Optik bot sich mir und ich machte mich auf einen härteren Thermik-Einsieg bereit – und es kam wie erwartet: Der Stall-Alarm (-3.5m/s) schlug an und ich wusste, jetzt ist die Zeit des Genussfliegens vorbei…
Es beamte mich mit zerrissenen 2-2.5 m/s auf eine Höhe von ca. 1600m. Der Target vermittelte mir jedoch jederzeit ein sicheres Gefühl – genauso wie mein nagelneues Gurtzeug. Ich konnte mich also fast die ganze Zeit auf das beste Kurbeln im Bart konzentrieren – ohne immer die Kappe stabilisieren zu müssen – für einen 4 Jahre alten Flügel ein traum Flugverhalten!
In dieser Höhe wurde es doch wesentlich ruhiger und so zückte ich zum ersten Mal meine Hofer-DigiCam, mit der all diese Bilder entstanden. Cool, wie ich mittlerweile bin *g*, kurbelte ich lässig: in der einen Hand die beiden Steuergriffe, in der anderen Hand se.camera.Es war ein Pracht-Tag. Zwar etwas diesig aber trotzdem gute Fernsicht, wie das erste Bild ganz oben Richtung Westen (Grimming, Dachstein, Tausing) zeigt. Das Panorama ist übrigens auch in meiner Sonnenbrille gespiegelt – und das ist kein Zufall… 😉
Echte Foto-Professionalität in 1600m Höhe – lol!
Ich kreiste lang in dieser Höhe, denn ich hatte den Eindruck, ich war bereits an der Inversion angelangt, also höher geht’s heut sowieso nimmer. Aufgrund der Blauthermik und dem Ausbleiben von Wolkenformationen konnte man dies aber praktisch nicht feststellen.Blick auf Liezen. Ganz links unten sieht man noch das Ende unseres Hausberg-Startplatzes. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man Bäck mit seinem gelben Target und Tommit seinem Nova Focusnoch um den Anschluss kämpfend.
Von einem solchen Anblick träumt jeder lokal ansässige Pilot, der 6 Monate winterbedingte Thermik-Abstinenz hinter sich hat…
…deswegen extra großes Pic!
Ich spielte mich noch einige Zeit mit dem Schirmhandling und genoss dabei voll das sich mir bietende Panorama – alles da! Nur Geographie-Banause, der ich (derzeit noch) bin, kannte ich grad mal ein Viertel der sich mir präsentierenden Fromationen *schandeübermich*.
Und dann geschah das wunderbarste Erlebnis des gesamten Fluges: Ein Steinadler stieg mit mir in die Thermik ein. Doch im Gegensatz zu Tom´s Erlsberg-Flug hatte dieser keine feindlichen Absichten. So kreisten wir friedlich Flügel an Flügel, bis er mich nach ca. 5 Minuten ausgekurbelt, sein Ego befriedigt und wieder zur Landung angesetzt hatte.
Beim Gedanken daran, schießt mir heute noch ein gewaltiges Maß an Euphorie in alle Glieder – Wo hat man sonst noch solche Erlebnisse? Klingt jetzt kitschig, aber ich war einfach nur dankbar das alles erleben zu dürfen…
Und was passierte bei meinem vorherigen ersten Kurbelhang? Da drehte ein Kollege auf! Super – noch einer hat´s geschafft! Rein ins Speed-System und rüber zu Tom, den ich erst auf halber Strecke identifizieren konnte – war zuerst der Meinung Jörg hat´s gepackt…Er zog ausgesprochen konstante Kreise und krubelte brav in der schwachen Thermik (ca. 1.5 h nach meinem Start). Oft etwas unzufrieden mit seinem Nova Focus (zu wenig Speed zum Streckenfliegen), erwies er ihm doch heute ausgesprochen wertvolle Dienste…
Stabilo an Stabilo kurbelten wir so eine viertel Stunde bis auf etwa1850m. Der Eifer war natürlich da, höher zu kommen als Tom….Als die Thermik nicht mehr besser wurde, nahm ich mir ein Herz und beschloss zurück Richtung Norden an die Flanken der Angern zu fliegen. Ich rechnete mir gute Chancen aus, dort etwas zu erwischen, da die Felsvorsprünge teilweise schon gut abgeapert waren. Ich sah dort genug Schluchten, die gute Aufwindkanäle sein könnten. Während der Plateauquerung verlor ich mehr an Höhe als ich gedacht hatte und erreichte ich meinen nächsten „Wegpunkt“ nur ca. 200 m über dem Bergfuss.In Felsennähe merkte ich bald, dass die untertags aufgeheizten Felsen genug Wärme abstrahlten, um mir den nötigen Auftrieb zu geben. Ich krazte die Bergkonturen mit jeweils ca. 15-20 m horizontalem Abstand ab, immer auf der Hut vor Hebern, die mich Richtung Felsenwand drücken könnten…
In S-Schleifen machte ich so Meter für Meter gut (Steigen: 1-2.5 m/s). Tom erspähte meine nicht ohne Erfolg bleibenden Versuche und setzte Ebenfalls Kurs auf die Angern.Weiter oben fällt die Bergkette etwas flacher ab und ich noch immer am Thermik-Kratzen neben den Felsen. Hier erlebte ich die nächsten Euphorie-Schübe – ich kam mir fast vor, wie in einer Alpen-Doku in Fernsehen: Accurrat unter mir löste sich eine kleine Lawine und stürzte ins Tal, eine Schar Berggemse sprang zwischen den Schneefeldern hin und her – und das alles während ich in einem satten Bart kurbelte.
Wieder das Gefühl von unendlicher Dankbarkeit, das alles Erleben zu dürfen…
Als mich der weit später eingestiegene Tom in einem offensichtlich noch beseren Bart bereits ausgekurbelt hatte. Flog ich ebenfalls zu der für mich neuen Schlucht, die ich aus Respekt vor deren gewaltiger Kontur anfangs gemieden hatte. Schroffer Fels, über 200m kerzengerade hoch, aper und sonnenbestrahlt – nichts für Kinder…Doch ich sah, dass Tom in dieser Thermik kaum zu tun hatte, und so klinkte ich mich nach etwas bockigem Einstieg in den 3.2 m-Bart ein.
Dabei wurde mir ein Fehler bewusst: Ich kratzte die ganze Zeit am Berghang, doch aufgrund der praktischen Windstille stand die Thermik – genau so wie die Orographie – kerzengerade hoch! Für’s nächste Mal dazugelernt…
Bild: Blick Richtung ONO auf den Bosruck (1992m) undie dahinter liegenden Haller Mauern: v.l.n.r. Gr. Pyhrgas (2244m), Kl. Pyhrgas (2023m), Hochturm (1926m) und Hexenturm (2172m); die „kleineren Hügel“ südlich davon: Plesch- und Frauenberg; noch weiter süd-ostlich Gesäuse-Eingang mit Reichenstein (2251m) und Hochtor (2369m).
Nach über 2.5 h Flug machte sich dann ein gewisser Druck auf der Blase bemerkbar. Mit Tom hielt ich mich dann einige Zeit knapp unter 2500m (ca. 450m über dem zweit höchsten Berggipfel der Angern, dem Nazogl auf 2057m – kein Berg in Sicht, den wir zu noch mehr Höhe nutzen konnten.Der Drang wurde auch nicht weniger und so beschloss ich zum Landeplatz zu fliegen. In knapp 1800 Meter überquerte ich unseren Startplatz und zog geradewegs raus Richtung Tennishalle…
Das erste Mal genug Höhe für einige DHV-Tests und ein kleines Newbie-Acroprogramm (Wingover und Steilspiralen Ende nie) für’s Liezener Stadtvolk.
Hier noch ein Bilck auf Enns- (Admont) und Paltental (Selzthal, Rottenmann).50 m über dem Grund wehte uns von Nord-Ost wieder mal ein kräftiger und turbulenter Pyhrn-Wind um die Ohren, der mindestens 35 km/h haben musste, denn Tom und ich waren gezwungen mit Rückwärtsfahrt zu landen.Um Punkt 16.45 Uhr waren wir wieder heil am Boden angekommen, wo uns Bäck und ein paar CCL-Jünger fast schon unterkühlt erwarteten.
Ich war erleichtert und meine Blase wenig später auch *g*.

 

Hast Du bis hier hin durchgehalten? Dann würde sich mein Gästebuch extreeem über eine kleine Wortspende freuen! *ggg*

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