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1.8.13: 240km bei Traum-Panoramen von der Grente/ITA – Südtirol Teil 1

1.8.13: 240km bei Traum-Panoramen von der Grente/ITA - Südtirol Teil 1

Erster Streich: Das 240km FAI-Dreieck

Sie hat sich längst etabliert in der „GoVeryFar-XC-Szene“: Die Grente. Sobald Prognosen halbwegs vielversprechend für das genial in die Orographie gelegte FAI-Dreieck aussehen, pilgern Jahr für Jahr mehr Piloten ins schöne Antholz, um sich im Pulk-Fliegen gegenseitig weiter zu pushen und jeder für sich an der persönlichen Bestleistung zu schrauben. Am 1. August 2013 waren es an die 60 gezählte Piloten, die von der schönen, weitläufigen Alm aus ihr Glück versuchten – und das an einem Donnerstag!

Doch wer glaubt Kilometerfraß, allein ist Motivation die insgesamt ca. 1,5h Aufstieg in Kauf zu nehmen, liegt weit daneben – klar: Fliegen ist immer schön – irgendwie. Aber besonders hier offenbaren die Ausblicke und Panoramen auf eindrücklichste Art, was unseren Sport so faszinierend macht: Genuss!

…und zwar einen nicht enden Wollenden.
Allein aufgrund der Lage des Kreuzkofels, kann man hier einfach 1 Stunde länger fliegen als anderswo in den Ostalpen. Wenn man noch dazu an dem optimal ausgerichteten SO-Hang früh rauskommt dann, geht’s richtig lang (>10h) und somit zwangsläufig auch weit – wenn man früh rauskommt…

Seit 4 Jahren ein Fixpunkt in meinem Fliegerleben, hat es auch 2013 nur zu einem Abstecher auf die Grente gereicht: Anbei wieder mal ein kurzer Nachruf an einen typischen – und doch wieder so speziellen – Grente-Flug; als Reminiszenz an schönes Flugwetter und Freundschaften…

Nebst der wunderbaren Fotos zeugen auch bewegte Bilder vom 2013er-Südalpen-Roadtrip.

Details

Grente

  • Land Region: Ita, Südtirol bei Antholz
  • Startplatzhöhe: 2230m
  • Höhendifferenz: 1000m

Infos unter: paraglidingearth.com

unsere Flüge

zum Downloaden & Nachfliegen:

  • Werner Luidolt (208km flaches Dreieck; 250 Pkt.); weiß-grüner Nova Mentor3; weißer Helm; GZ: Swing
  • Michael Pohl (217km FAI-Dreieck; 303 Pkt.); Nova Mentor3 NPT-Design; geiler Helm; GZ. Charly Titan
  • Hans Tockner (241km FAI-Dreieck; 338 Pkt.); Nova Mentor3 NPT-Design; schwarzer Helm; GZ: Charly Titan3
  • Christoph Haas (192km flaches Dreieck; 230 Pkt.); Niviuk Peak3 schwarz; GZ: Niviuk Drifter
  • Markus Eder (208km flaches Dreieck; 249 Pkt.); Niviuk Icepeak6 grau; GZ: Gin Genie Race 2
  • Günter Willner (196km flaches Dreieck; 235 Pkt.); Niviuk Peak3 orange; GZ: Woody Valley XRated 6
  • Lex (240km FAI-Dreieck; 336 Pkt.); Niviuk Peak3 orange; GZ: Charly Titan3

Die weitesten Flüge des Tages auf XContest

Die weitesten Flüge von der Grente aus: auf XContest

Der Track:

Der Flug zum Nachfliegen im virtuellen Doarama-Relief:


Doarama

Die Story:

Längst überfällig war er, der Roadtrip runter in die Südalpen. Unsichere Prognosen hatten Werner Luidolt und mich heuer schon zwei mal mit der Anreise zögern lassen – und es ging jeweils gewaltig…Ein drittes Mal sollte eine gute Grente-Lage nicht erneut ohne uns vorüberziehen und so ritten wir im heimelig eingerichteten Grand Hotel Espace noch spät abends via Felber Tauern und Staller Sattel als zweite am Grente Parkplatz ein. Dabei sollte es nicht bleiben: im 5-Minuten-Takt rollten Lieferwagen und Kleinbusse mit tschechischen und polnischen Kennzeichen an – und wir sahen uns in der Interpretation der Prognosen bestätigt: „Die Jungs tun sich die Anreise nicht an, wenn’s nicht wirklich gut ausschaut…“Grente Tage sind lang: Gegen halb sechs hieß es Tagwache für uns und kurz nach 6 Aufbruch mit Much und Hans zum obligaten Grente-Almfrühstück – diesmal mit feiner Linzer Torte…
So gestärkt waren die verbleibenden 150 Höhenmeter schnell überwunden und wir suchten uns ein schönes Platzerl etwas oberhalb des Thermik-Einstiegs in den Hausbart.Wie immer drehte der Wind am Startplatz etwas zwischen W und den Ablösungen auf der SO-Seite – ein schon mehrfach beobachteter Umstand, zu Beginnn der einsetzenden Thermik. Gut in der Zeit genossen wir und wunderten uns…
…wieviele Piloten denn noch hier rauf strömen werden. So voll haben wir die Grente noch nie erlebt. Fast schon karawanenartig pilgerten dutzende Flügjünger Richtung Gipfel und machten aus dem sonst saftigen Almengrün mit ihren Schirmen einen bunten Fleckerlteppich, wie man ihn sonst nur von Liga-Tasks her kennt.Es war 10 Uhr – und wir startklar. „Who dares to go first?“ Wer traut sich bei der vorhergesagten „späten Auslöse“ als erster raus? Niemand wollte absaufen, jeder belauerte den anderen – und wartete 10:30 und wartete 10:45 und wartete 11 Uhr.Ich bin überzeugt, wenn wir nur eine Hand voll unserer Jungs gewesen wären, hätten wir spätestens gegen 10:30 Uhr aufgezogen (bei dem schwachen Seiten-Wind und der UV-Einstrahlung) – „Blauthermik halt“. Aber in der Masse konnten auch wir uns irgendwie nicht voher dazu überwinden – kurz nach 11 Uhr ging dann ein Tscheche mit seinem Trango XC2 als erster raus und konnte eindrehen. Danach klarerweise im 10-Sekundentakt ein neues Tuch-Gespann airborne…
…die Thermik war mittlerweile gut entwickelt, schön zentrierbar und erlaubte schnelles Aufdrehen. Nach kurzem Schlenker Richtung LP war die Luft vor mir schön markiert und Linien sowie Thermiken leicht interpretierbar angezeigt.WAS FÜR EIN TAG! So trocken, so klar, eine gewaltige Fernsicht, wenig störender Wind – einfach nur genial!
…und alle mit einem Ziel: Go EAST!
Bis zum Staller Sattel ging’s für uns ohne gröbere Probleme dahin…Aus unserer Gruppe war ich der einzige, der vor der Querung ins Defreggen-Tal auf 3180m aufdrehte, alle anderen querten rund 400m tiefer…
…was uns beim Thermikanschluss 10 Minuten später alle wieder in derselben Höhe zusammen brachte. Immer wieder interessant, wie unterschiedliche Strategien oft genau gleiche Resultate haben.Lediglich Hans Tockner war noch immer einen Bart voraus *g*Links: der Startplatz direkt am Staller Sattel, von wo aus Alois Resinger eine Woche davor zu einem erfolgreichen 250er-FAI-Dreick gestartet war *pretty rocky*rechts: Chrisei am Kurbeln über dem Weißen Beil, darunter die Mentoren mit Werner
Aus unserer Peak3-Staffel nahmen Chrisei und ich noch einen Bart am vorgelagerten Kastal, während Günter sich gratnah seinen Weg nach Huben suchte…Den Kamm entlang war herrliches Ridge-Heizen angesagt – und irgendwie schien Hans Tockner wieder etliche Gramm seines berühmten Thermik-Pulvers gestreut zu haben, denn er nahm uns allen sogar auf der Ridge wieder einige Minuten Zeit ab – Chrigel-Maurer-Style… 😉
Die Querung über Huben hinweg war mit unseren Geschoßen schnell und ohne kritischen Höhenverlust erledigt.So konnten wir 2 orangen Peak3 uns zwillingsgleich in schöner Schräglage stylisch und synchron in den Himmel schrauben….
…und das alles mit klarstem Blick auf die Großglockner-Kulisse!Mit 10 Min. Rückstand auf Hans haben wir um 13:10 Uhr gewendet und den Rückweg in Angrif genommen. Noch immer kaum ein Wölkchen in Sicht, was mein üblicherweise praktiziertes „hoch fliegen“ (wegen des geringeren Luftwiderstands 😉 ) sehr selektiv machte…Die nächsten 50km Richtung West ging es dann schön zügig dahin.
Bild rechts: Querung bei Bruneck mit Blick weiter nord-westlich Richtung Sand in Taufers und Speikboden
Bild links: Der direkte Blick bei der Querung Richtung W(indeck))Hans, Chrisei und Much (letztere hatten die Huben-Querung nicht genommen und waren nun mit Hans im Pulk unterwegs) hatte ich jeweils nur 1 Bart vor mir. Bis……ja bis ich zu gierig wurde, am Mutenock den Bart nicht gleich fand, weiterflog und prompt eine Strafrunde einlegen musste. :-(Im Bild rechts hinter mir der Taleinschnitt, der mir diese Baustelle einbrockte, die mir eine glatte viertel Stunde gekostet hat. Günter und Markus haben’s super erwischt und sind über mich hinweg gezogen Richtung Gitsch.
  Das erste Bummerl des Tages war erst gegen 16 Uhr bei der Sterzing-Querung entwickelt, zog dafür aber sauber durch.Werner (Bildmitte) zeigte den Bart schön an…
Seite an Seite mit ihm sind wir mit 16:30 Uhr sehr spät über Sterzing hinweg gesegelt…
…und gemeinsam das Ridnaun-Tal abgeflogen.Much hatte sich hier meisterlich dem drohenden Absaufer widersetzt und nochmals bavourös empor gekämpft.
Um 16:50 dann die Wende auf Höhe Pfurn-See (Bild rechts). Nun aber nichts wie weg und ab in den Süden!Die nun schon entspanntere, hochreichendere Thermik ließ schöne Höhengewinne zu, aber die späte Zeit… ja die späte Zeit saß etwas im Genick…Somit volle Konzentration und maximale Pace, um es noch irgendwie an den Kreuzkofel zu schaffen… -> Touri-mäßiges ‚Rumfotografieren wie sonst, Tabu! 😉
Erst um 18 Uhr die Lüsen-Querung in Angriff zu nehmen ist definitiv heikel – und alle hatten wie absehbar ihre Probleme:
Selbst ganz vorne waren Much und Hans auf den Kronplatz ausgewichen, wo es um die Uhrzeit auch nur mau ging…Ich selbst schummelte mich an Max und Chrisei irgendwie ans Lüsen-Ende durch und konnte geduldig gerade so viel Höhe machen, um mich über den hintersten Bergrücken zu schwindeln.Nicht mal 50m tiefer hätte ich sein dürfen, sonst hätte mich wahrscheinlich dasselbe Schicksal wie Max ereilt, der vor St. Vigil den Anschluss nicht mehr gefunden hatte…
Bei St. Martin hatte ich dann Glück und fand Nordwind-unterstützt zartes Steigen, das ich beschloss nicht mehr auszulassen – es war schließlich schon 19 Uhr!Tief und „von hinten“ her kommend lehnte ich mich Relief-nahe an die Nord-Flanken des Kreuzkofel… …sie ließen mich nicht im Stich: es trug!
 …und zwar praktisch überall. Der trockenen und klaren Luft ist es wohl hauptsächlich zuzuschreiben, dass die Sonneneinstrahlung die Felsen um halb 8 am Abend noch immer stark genug aufheizen konnte.UNGLAUBLICHES GEFÜHL! Eigentlich unbeschreiblich, in großflächiger Abendthermik unter hoher Basis so spät Richtung letztem Wendepunkt zu gleiten!„Wie weit trau ich mich noch…?“ war nun die alles entscheidende Frage.Um 19:30 Uhr an der Cunturines-Spitze gewendet. Die um 300m tiefere Basis des Falzarego anzufliegen hatte ich mich so spät nicht mehr getraut. Heimkommen war wichtiger!„Nur noch 1 x Basis machen, nur 1 mal, bitte!“…
…und es war da, das letzte Steigen den Tages: YESSS!!!In aller Ruhe nochmal auf 3700m aufgedreht – im Wissen: „Letzte Tankstelle“…Um 19:45 uhr (!) setzte ich dann gegen den abgeflauten N-Wind zum laaangen Endanflug Richtung Antholz an…
…wo mich ein schon komplett abgeschattetes Antholzer Tal erwartete.

GENIAL!

Das Gefühl den Tag voll ausgereizt zu haben ist wahrhaftig das Größte – zumindest nach hinten raus… *g*

Geschafft – persönliche Bestleistung wieder nach oben korrigiert: 240,4km stehen nun zu Buche!

…und falls ich’s noch nicht erwähnt hab: Grente Tage sind lang!

Lessons Learned:

  • einmal mehr: „die Hoffnung stirbt zuletzt“ *g*Lüsen erst um 18 Uhr anzufliegen ist spät – aber es geht (am 3.8. war es noch 20 Minuten später – und es klappte wieder!) – zumindest bis Anfang August…
  • wenn Blauthermik herrscht bzw. nur wenige Wolken am Himmel die Sonneneinstrahlung trüben, steht der Kreuzkofel echt unglaublich lang in der Sonne. Nicht zuletzt dadurch fliegt es hier einfach 1 Stunde länger als bei uns in den östl. Nordalpen
  • erneut zu tief gekommen vor dem Gitschberg – das nächste Mal die gesamte Ridge einfach hoch bleiben; besser 1 Bart zuviel gekurbelt, als Ausgrabungsarbeiten im Talwind-zerschobenen, stumpfen Thermiksumpf
  • genial, wie stabil der Peak3 in allen Lebens- ääähh: Fluglagen – ist: ich hatte noch nie so viel Vertrauen im vollbeschleunigten Flug – speziell bei eigentlich noch höherem Endspeed als bei meinen Vorgänger-Schirmen…
Hast Du bis hier hin durchgehalten? Dann würde sich mein Gästebuch extreeem über eine kleine Wortspende freuen! *ggg*

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