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24.01.03: Teneriffa – die Fluggebiete

24.01.03: Teneriffa - die Fluggebiete

Teneriffa – die Fluggebiete
24.01. – 31.01.2003

Vor der Beschreibung unserer subjektiven Eindrücke eines vorweg: Teneriffa ist KEIN Fluggebiet für Anfänger und Sonntagsflieger! Die vorherrschenden starken NO-Winde sind meist an der Grenze des mit Gleitschirmen fliegerisch Machbaren. Die Startplätze verzeihen oft keine Startabbrüche aufgrund der räumlichen Enge und des schroffen Untergrundes. Hat man das Glück, von einem der wenigen Schulungsplätze starten zu dürfen (Lokale Bewilligung erforderlich – sonst droht die Polizei mit empfindlichen Strafen – immer mühsam; und wenn man dazu noch kein Spanisch kann…) erwartet einen schon die windzerrissene Lee-Thermik (+6.5 m/s und mehr keine Seltenheit) oder eben laminarer Starkwind.
Doppelt schwierig zu handhaben, da man als Pilot zu dieser Jahreszeit ja nur die stille Winterluft gewohnt ist. Aussenlandungen können durch das schroffe Gelände und langstachelige Kakteen auch schnell mal ins Auge gehen – sprich Verknackser, Beinbrüche oder Fleischwunden zur Folge haben. Deswegen sind die dortigen Behörden auch wie Bluthunde hinter den Touri-Fliegern her – jährlich ca. 2 Tote rechtfertigen dieses Vorgehen nicht nur, sondern machen es im Gegenteil sogar nötig!

Allen Unkenrufen zum Trotz: Es liegt einmal mehr an der gesunden Selbsteinschätzung des eigenen Könnens. Deswegen Hut ab vor meinem Begleiter Bäck, der trotz einer dreitägigen windarmen Phase nur 2 mal geflogen ist. Ich selbst brachte es auf insgesamt 7 Flüge. (2 Gleiter – 5 thermisch)

Zudem macht es hier auch tatsächlich Sinn, sich einem der Guides oder Flugschulen anzuvertrauen (siehe Links und Kontakte weiter unten). Die Preise liegen um die 25-35 €/Tag – bei einer kleinen Gruppe von Flugwilligen wirklich kein Geld. Und damit sollte auch garantiert sein, dass man innerhalb einer Woche wirklich 14 mal fliegt…

Taucho (Lee-Thermik, 650m schöner Startplatz):

Bald trifft man andere Flugbereisterte, die einem bereitwillig die Startplätze zeigen. Wir haben ein paar Piloten (davon 2 Mädels!) aus dem Schwabenländle aufgegabelt
Bäck bei den Startvorbereitungen. Trotz der thermisch bedingt böigen Startwinde hat man hier verhältnismäßig viel Platz, um den Schirm sicher in den Flugzustand zu bringen
Die Startdisziplin war vorbildlich – es konnte im 2 Minutentakt gestartet werden. Ist heutzutage (leider) nicht selbstverständlich.

Am ehesten anfängertauglich ist dieser nordöstlich von Adeje gelegene SW-Startplatz. Hier trifft man praktisch täglich Kollegen der fliegenden Zunft an. Dies war eigentlich auch unser „Hausberg“. Schnell zu erreichen und durch den direkten Anschluss an den östlich gelegenen Ifonche-Gebirgszug idealer Einstiegspunkt für ausgedehnte Streckenflüge. Ideal ab 14.00 Uhr, da heizt die Sonne so richtig rein.

Anfahrt:
Bei Adeje abfahren und nach dem Kreisverkehr immer bergwärts. Am besten den Startplatz vom Tal her lokalisieren, sich am Landeplatz beim Einkaufszentrum „Hypertrebol“ einer Gruppe anschließen oder nach dem Weg fragen. Es geht zwar relativ steil bergauf – aber auch unser untermotorisierter Ford Ka hat den Aufstieg geschafft…

Fly above all! Immer wieder ein schönes Gefühl, den anderen Kameraden von OBEN beim Kurbeln zuzusehen
Vom Taucho aus hat man einen perfekten Blick aufs Meer. Ein Genuss, den man sich erst in der Höhe gönnen kann – nach Überwindung der zerrissenen und thermisch-turbulenten Aufwinde
Der Landeplatz ist südlich des Einkaufszentrums „Hyper-Trebol“ gelegen und reichlich mit Windanzeigern ausgestattet

 

Ifonche (Lee-Thermik, 1100 m):

Einer der möglichen Startplätze: verdammt klein, nur therm. Ablösungen, im Lee und Baumschneise zu Beginn der Flugphase – da muss alles passen…
Einmal inder Luft fliegt sichs gänzlich ungeniert. Die Schroffen Felsen links – hier leider nicht im Bild bieten eine atemberaubende Optik
Einer der möglichen Landeplätze in Adeje mit dem Roque de los Brezos im Hintergrund

Der Ifonche ist eines der schönsten Thermik-Fluggebiete, den Teneriffa zu bieten hat. Mit einer Vielzahl von Startmöglichkeiten kann nach Süd bis West gestartet werden – meist ins Lee. Die thermischen Aufwinde sind aber auch relativ zuverlässig, sodass Flüge selten zu frühzeitigen Absaufern führen sollten. Die Ausnahme bestätigt auch hier wieder die Regel: Einmal zu tief kann die windzerrissene Lee-Thermik einem ganz schöne unfreiwillige Adrenalin-Schübe bescheren: Die schroffen Felsen, die sich bis zum Bergzfuß ziehen, verwirbeln den ohnehin schon turbulenten Landwind noch weiter.
Ich errinnere mich noch heute and die Aussenlandung, die aber glücklicherweise ohne Probleme geendet hat: 3 Mal angesetzt (beim 1. Mal Hausdach anvisiert->Böe; beim 2. Mal saufen über riesigem Kakteenfeld->Böe; beim 3. Mal hatte ich es dann geschafft, im einzigen kakteen- und distelfreien Areal im Umkreis von ca. 50 m aufsetzen zu können – und das dafür butterweich und ohne den Schirm aufzuschlitzen). Nochmals hier der Hinweis: Nur für geübte Piloten! Unkoordinierte Panikschübe sind absolut fehl am Platz: Vielmehr muss man geistesgegenwärtig ALLE Möglichkeiten des zielgerichteten Höhenabbaues schnell und sicher einsetzen können.

Anfahrt:
Über das Hinterland von Arona nach Escalona (nahe „El Refugio„). Bei einer Kuppe steht ein Gasthaus, dort links. Wird dann später zur Naturstraße. Eine Fülle von Startplätzen sind dann mehr oder weniger weit von der Straße entfernt.

Fasnia (Soaring – nach ALLEN Richtungen!):

DER perfekte Soaring-Hügel von Teneriffa befindet sich auf einer kleinen Kuppe bei Fasnia. Hier kann von NO, S, bis NW wirklich alles geflogen werden, wenn der Wind nicht zu stark ist – wie bei uns das leider jedesmal der Fall war (siehe Bild)…
Die Start- und Top-Landing-Verhältnisse könnten kaum besser sein – das riesige Plateau ist hier eine wahre Spielwiese. Sollte der Wind gar zu schwach sein, kann man etwa gut 100m tiefer zu einer Landeplattform mit Windanzeiger abgleiten.

Anfahrt: Süd-Autobahn, Abfahrt Fasnia. Rauf zum Hügel, der eine kleine weisse Kapelle an seiner Spitze hat. Wirklich schön zu sehen und daher kaum zu verfehlen…

 

Güimar (Soaring – bei Ostlagen):

Tolle Soaring-Möglichkeiten mit geilem Panorama und beachtlicher Höhendifferenz. Auch hier besteht die Möglichkeit bei allen Ostlagen Soaring vom Feinsten zu genießen. Auch hier leider keine Erfahrungswerte, da der Wind wieder mal zu stark war.

Anfahrt: Süd-Autobahn, Abfahrt Güimar. Dann die Bergstraße Richtung Fasnia auf der 822 bis zum Aussichtspunkt „Mirador del Martin“, danach scharf rechts bergauf (keine Beschilderung). Immer die asphaltierte Straße steil nach oben, bis zu den Windanzeigern. Wenn ihr durch Pajara fahrt, seid ihr bereits einige km zu weit.

Inzana (Observatorium):

Diese Startmöglichkeit konnten wir leider nicht ausfindig machen, aber sei hier trotzdem der Vollständigkeit halber erwähnt. In einer Höhe von 2200m MSL sollen von hier Gleitflüge von bis zu einer dreiviertel Stunde möglich sein – Vorsicht vor der ausserordentlich raschen Wolkenbildung, die wir als „Bodentouristen“ selbst beobachten konnten (siehe Video, 844 kB…).

La Corona (bei Los Realejos; N-SO Soaring an der Küste):

Der schöne und gut gepflegte Startplatz wird durch eine Flugschule betreut. Anmeldung vorher wird empfohlen – sprechen sehr gut deutsch.
Auch hier gilt das Kriterium der absoluten Startsicherheit für den Piloten. Denn so schön die Wiese auch ist – sie ist vedammt kurz…
Blick auf die durch die Abendsonne wunderschön beleuchtete Siedlung von Las Ros

Im feucht-grünen Norden der Insel ist der Startplatz bei La Corona auf etwa 800m Seehöhe gelegen. „Klein aber fein“ könnte man das Startfeld charakterisieren. Für Startabbrüche fast kein Platz – also hier keine halben Sachen! Die Umgebung von Los Realejos eröffnet sich von hier oben in voller Pracht. Etwaige Aussenlandungen sollten hier auch glimpflicher abgehen, da viele terassenförmige Wiesen ausreichend Landebahnen bieten. Einziges Problem hier – Mücken, die sich nur allzugern an süßem Pilotenblut laben…

Anfahrt: Bei Los Realejos von der Nord-Autobahn abfahren. Durch die Stadt zur Bergstraße Richtung „La Corona“ schlängeln. Auf Höhe der Sender findet sich links die Abfahrt zum Startplatz. Von dort noch ca. 2 Minuten Fußmarsch bergab.

Die Nordküste bei Los Realejos zu Füßen.
In der Bildmitte ist eine der Landemöglichkeiten anhand der Schirme gut auszumachen. Auch direkt an der Küste sollte genug Platz zum Landen sein
Die buntgemischte Runde der Flugschule war sehr hilfsbereit und Ralph bot mir gleich eine Mitfahrgelegenheit zu meinem Chauffeur Bäck an

 

Mesa del Mar (geschlossen, da am Startplatz ein Hotel gebaut wird!)
Ein perfektes Soaring hätte zu früheren Zeiten sicher auch die ca. 100 m Hohe Küste bei Mesa del Mar verheissen (siehe „Das Land“-Seite). Leider war der Startplatz als wir dort waren eine Hotelbaustelle.

Wenn Du weitere Startplätze weisst, bitte maile sie mir – oder zumindest den Link zu der beschreibenden Site.

 

Links und Kontakte:

Escuela de Parapente Alisios, St. Ursula Tel.: 922 30 03 50, 922 20 02 51
Escuela de Parapente Jama, Valle de Orotava Tel.: 922 64 13 89
Parapente Tenerife, Güimar Tel.: 922 524 263
Parapente Club del Sur, Callao Salvaje Tel.: 922 78 50 38, 922 78 13 57
mob.: 608 64 13 89
Armin, Touchdown, armin@mail.infocanarias.com Tel. mob.: 609 522 984
Mike, deutscher Guide; absolut zu empfehlen Tel. mob.: 619 54 033 67

Top-Linksammlung („enlaces“ sind die Links 😉 ) www.arrakis.es/~mpm00001/
El Refugio, Paragleit-Kompletturlaub www.el-refugio.com
Haupt-Verein www.sportec.es/www/fae/parapente/main.htm

 

Hast Du bis hier hin durchgehalten? Dann würde sich mein Gästebuch extreeem über eine kleine Wortspende freuen! *ggg*

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