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19.04.11: 218 FAI-km vom Gasteiner Tal aus – Ein Traum geht in Erfüllung!

19.04.11: 218 FAI-km vom Gasteiner Tal aus - Ein Traum geht in Erfüllung!

218 FAI-Kilometer vom Gasteiner Tal aus – Ein Traum geht in Erfüllung!

Meine Bodenlosen Klubkollegen hatten sich schon vor dem Hammerwochenende so früh im Jahr auf der Südseite des Alpenhauptkammes installiert und zogen dort ein 4 Tages-Marathon-Programm durch. Nachdem für die gesamte Karwoche 2011 ein stabiles Omega-Hoch mit vielversprechenden Flugbedingungen vorhergesagt war, ging ich noch am Montag regulär arbeiten und spielte mich dann für Dienstag und optional Mittwoch frei – und selten hatte ich zuvor in Urlaubstage besser investiert…

 

Details

Kreuzkogel
  • Land Region:  AUT,  Salzburg, bei Sportgastein
  • Startplatzhöhe: 2650m
  • Höhendifferenz: 1600m

Infos unter:

unsere Flüge

unsere Flüge (zum Downloaden & Nachfliegen):
  • Hans Tockner (218km FAI; 305,3 Pkt)
  • Michael Pohl (214km FAI; 299 Pkt)
  • Werner Luidolt (207 FAI; 289,4 Pkt)
  • Lex (218 km FAI; 305,6 Pkt) – speziell bis zu den Loferer Steinbergen ein echter Teamflug (-> zum Seeyou-Nachfliegen!!)

Die weitesten Flüge vom Kreuzkogel aus: auf XContest

Startplatz-Details:

Am Vortag – entgegen aller Bemühungen – wieder erst gegen Mitternacht ins Bett und bereits um 5:30 Uhr wieder raus. Aber wie sagt Much so schön: „Schlaf wird ohnehin überbewertet“ *g*
Mit ihm hatte ich auch den Stubner Kogel ausgeschnapst. Er selbst konnte noch Hans Tockner und ich Werner Luidolt und dazu Joesi Lanthaler davon überzeugen, dass es sich an diesem Tag lohnen könnte, für uns alle mal was Neues auszuprobieren: Sportgastein mit dem Startplatz Kreuzkogel. Exponiert. Direkt am Alpenhauptkamm. Und dass es dort schon gut geht, hatten tags zuvor einige Pinzgauer Locals schon bewiesen…
Kurz nach 6 Uhr holte ich Werner und anschließend Joesi ab und wir gondelten mit meinem Espace Richtung Gasteiner Tal – Much und Hans trafen wir kurz nach 8 am Bahnhof Bad Gastein. Hans‘ Auto parkten wir am Landeplatz in Böckstein und meines fuhr mit 5 Mann & Material zur Talstation (Mautpflicht!).
Bild links: Sportgastein. Kein „echter Ort“. Es sah aus wie auf einem Nepalesichen Hochplateau – genial!  Die Bahn fuhr schon vor 9 und es bummerlte bereits?!?- also nix wie rauf!
Oben dann ein gewaltiger Ausblick auf die bereits aktiv werdende Rennstrecke Richtung Nord…
Hier unsere 5er Abordnung vor dem 200er-Versuch: v.l.n.r: Joesi, Hans, Werner und die Thermik-Ninjas Much und ich mit dem 200er am Ansagefinger.
Mein Startritual braucht offensichtlich noch immer am längsten, 😉 denn Much und Hans gingen ziemlich pünktlich gegen 10 Uhr raus. Ich nahm mit ner viertel Stunde Verspätung und der etwas großkotzigen Behauptung „vor der 1. Querung hob i eich eh wieder“ die Verfolgung auf und unseren 200er-Traum in Angriff.
Bild links: Nach Nullwindstart von 2600m direkt auf die erste Thermik-produzierende Wand hin abzugleiten ist schon ein Traum-Gefühl…
Rechts: Blick zurück Richtung Süd auf das etwas westlich vom Startplatz liegende Schareck.
Der leichte ONO-Wind schob halbwegs gut die Hänge rauf und verhalf zu wenig Sinken beim Gratentlanghanteln. In relativ gerader Linie brauchte ich so nur 5 Bärte bis zur Querung des Pinzgaus Richtung Nord.
rechts: Blick nach Nord-West zur Schmittenhöhe mit dem „Pinzgauer Spaziergang“ – sah zum Zeitpunkt der Querung gegen 11 Uhr noch nicht so gut entwickelt aus, wie das Gasteinertal. Spätestens jetzt stand außer Frage: diesmal definitiv die richtige Starplatzentscheidung!
Vom selben Punkt aus Blick zurück auf das Gasteiner (Links vom Grat) und Rauriser Tal (rechts) samt dem talseits vorgelagerten letzten Bummerl vor der Querung. Und meine Ansage die Jungs eingeholt zu haben ging teilweise auf: Much war 100 Meter vor mir und Hans etwas hinter mir.
Im Anschlussbart nach der Querung waren wir alle 3 dann wieder endgültig vereint: Much hier beim Bart-Exit über mir und Hans etwas unter mir. Bei der Gelegenheit fiel mir das erste Mal auf, dass der Mentor 2 wirklich gutes Gleiten haben musste, da er bei der Querung nicht viel verloren hatte und wir praktisch auf ähnlicher Höhe am Eschenauer Kogel ankamen. Super für nen 1-2er!
Das nächste Bummerl klar voraus, flog ich daran vorbei direkt an die rechts dahinter liegende SO-ausgerichtete Ridge, um dort nochmals Höhe zu tanken. Die Jungs nahmen das Bummerl, was im Nachhinein die intelligentere Entscheidung war – der Anschluss an der Ridge war mau und die beiden flogen den Grat relativ hoch Richtung Nord-Ost Richtung Hochkönig weiter, bevor sie nen 90°-Haken Richtung Nord-West schlugen.
Ich kann auch nicht aus meiner Haut und bretterte etwas früher und tiefer gleich Richtung Thermik-verheissenden Hügel Braggstein im leichten Lee des Steinernen Meeres…
In der „Hoch-Fliegen“-Disziplin war Hans nicht zu toppen: Er machte am Ameiskopf nochmal so richtig Höhe und flog dann die Flanken des Steinernen Meeres immer über Grathöhe entlang (Bild links). Dies ist zwar an sich ein Umweg, der ihm aber sicherlich entspannteres Kurbeln  bzw. Linienfliegen bereitete, als Much und mir, die wir im Ost-Lee etwas fest saßen: an der Baumgrenze des Selbhorns dienten wir uns mühsam & aktiv fliegend Meter für Meter hoch, bis es über Grat wieder gemütlicher und auch mit besseren Steigwerten aufwärts ging. Hans hatte dabei schon einige Kilometer Vorsprung herausgeflogen…
Bild rechts: Much beim Einstieg am Braggstein mit Blick auf Hinterthal und Dienten
Auf die 1 Minute Thermikvorsprung gepfiffen, dafür schöne Aufnahmen von Much vor dem Steinernen Meer gemacht. Herrlich!
Genug genossen -> weiter ging´s auf des Hans‘ Spuren Richtung Nord. Teilweise blau (links), dann weiter nördlich wieder schön entwickelt.
Ich ertappte mich dabei, es total zu genießen und zu schätzen, dass Hans mit seinem 1-2er nicht nur zügig vor mir vorwärts machte, sondern auch den unheimlichen Instinkt besitzt, genau das BESTE Steigen unter der Wolke schnurstracks zu finden. Bei den gemeinsamen Passagen war es des öfteren der Fall, dass ich meinen Bart-Teil verließ und zu ihm wechselte, da er einfach den besseren Riecher hatte – da muss ich noch viel lernen…
Wir waren fast schon zu früh an unserem nördlichen Wendepunkt. So rief ich zu Hans, dass wir vom letzten Bart aus (Bild links) noch etwas weiter Richtung Nord den Wendepunkt setzen. Wir waren nun in Bayern! LOLUm 12:40 Uhr hatten wir gewendet und beim Zurückfliegen in den Bart kamen uns die 10.2er-Mantras (Bild rechts) unter – tief und schnell…
Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch keine Ahnung, um wen es sich hier handelte („Auflösung“ siehe weiter unten am Ende der Fotostory)…
Die Jungs schnappten sich diese geniale Wolkenstraße im Bild links, die ca. 15km weiter im Norden begann und bis runter zum Pass Thurn um diese Zeit schon super ausgeprägt war.
Doch wir hielten uns an unserem Plan: Beim ersten Mal hier: keine Experimente – ein 200er FAI wär ohnehin schon der Hammer…Der Weg retour war schön gezeichnet und mit der Ostkomponente…
…ein ziemlicher Spaziergang. Bis zum Erreichen der Loferer Steinberge: Ein Felsmassiv, das respekteinflößend relativ isoliert und zerklüftet direkt am Weg lag. Mit halbwegs Gas war unser kleiner, feiner Pulk entlang der befürchtet windzerrissenen Bergkette unterwegs…
…und wir verließen sie auf Basishöhe des links gezeigten Bummerls – zumindest ich weiter Richtung Kitzbühler Horn (im Bild rechts), das genau auf der Route zum Gerlos-Stausee lag. Natürlich nicht ohne die „Tankstelle“ am Wallerberg auszulassen…
Nun… das Kitzbühler Horn ließ mich im Stich und schon war die „Boah heit laft´s oba suppa“-Euphorie einem „Bitte loß mi jetzt do net obsaufn“-Stoßgebet gewichen. Tief im NO-Lee rumgrundelnd hantelte ich mich zaghaft vor bis zum Laubkogel.
Bittere Pille dabei: Der Anblick von Much und Hans, die nicht nur die direktere, sonder auch eine gut tragende Linie Richtung Pass Thurn erwischt zu haben schienen. Weit vom S-Hang des Schützkogel wegversetzt dann die erlösende Lee-Thermik. Ich schwor, den Bart nicht wieder herzugeben und den restl. Tag nur noch hoch zu fliegen. *wiedermal*
Tja, was soll ich sagen? Er zog nicht bis an die Basis durch…bei 2500m war Schluss 🙁
Ich entschloss mich dazu, das Tal Richtung W noch vor Erreichen des Pass Thurn zu wechseln, in der Hoffnung auf Thermikanschluss zu den über dem Bärenbadkogel kreisenden Seglern. Es gelang schließlich, mich am nördlich des Wildkogel vorbei bis ins Pinzgau zum Trattenbacheck vorzuarbeiten und hatte kurze Zeit später Much und Joe im Fly-By.
Ich lag noch gut in der Zeit, sodass ich beschloss die Höhe des letzten Bartes noch auszugleiten noch weiter Richtung Gerlos die Wende zu setzen. Dabei herrlicher Blick auf den Gerlos-Stausee (rechts).
Doch der Ost-Wind forderte seinen Tribut: am Ronachgeier hatte ich meine zweite kleinere Baustelle des Tages: Ich hab mich ca. 100m mit der Ankunftshöhe am dort verspekuliert und fand mich in ausgeprägtem Leesaufen wieder. Die Jungs über mir kurbelten stetig…
irgendwo musste es hochgehen. Dann… kein Windgeräusch mehr… Schirm vorwärts, rückwärts, seitwärts, schluss. Aber es zog zumindest nach oben: „Drin bleiben – in diesem Bereich des sonst kollektiven Saufens“ hieß es jetzt!
Wenige Minuten nach dem ruppigen Einstieg konnte ich einige hundert Meter über Grat diesen Aufwind wieder butterweich kurbeln und wieder aufs Schönste genießen. Wieder mal Adrenalin- und Endorphin-Konsum as pure as you can get it!
Mit der Höhe und der fortgeschrittenen Zeit, entschied ich mich dazu, bereits am Gernkogel – also 1 Grat früher als generell üblich – auf die Südseite des Pinzgaus zu wechseln…

…dort standen schon vereinzelt gute Bummerl und ein gewisser Werner L. aus A. hing dort zusätzlich in der Luft rum. Der alte Flugfuchs hatte es doch tatsächlich nach seinem späten Start bis hierhin geschafft und wir konnten endlich ein paar Bärte Richtung Heimat miteinander kurbeln…

Bei Hollersbach trafen wir auch kurz auf Much, der weiter unten um Thermik-Anschluss kämpfte…

Werner krubelte die Bärte weiterhin nicht ganz aus und flog schnell weiter. Ich mit meiner erst am Wochenende gesammelten Tauern-Erfahrung und den Tiefflug-Erlebnissen gegen den O-Wind weiter unten entschied mich für´s weiter oben bleiben. Und so konnte ich mich im Sägezahn weiter gegen den Talwind Richtung Gasteiner Tal vorarbeiten.
Bis Zell am See (Bild links) hielt ich mich eher an den Talnahen W-Hängen und flog ab dann erst weiter nach „hinten“ rein, um keinen zu großen Umweg zu machen.
Die Sonne stand schon tief – und es war mittlerweile 17:45 Uhr. Da gesellte sich Hans von Nord kommend zu mir in den Bart am Kreuzköpfl und nach Erreichen der Basis beschloss ich direkt über das Rauriser Tal hinweg ins Gasteiner Tal zu queren. Eine Entscheidung, die sich nur ganz knapp ausging – mit gerade mal 10m über Grat „hüpfte“ ich über die Stanzscharte ins Gasteiner Tal und glitt auf den Fuß des Stubnerkogel zu. *uff*
Nach erfolgreicher Umrundung war die W-Flanke des Gasteiner-Tals noch super Sonnen-beschienen. „Da könnte noch was gehen!“ – aber ich war schon 300m über Talgrund tief…
p.s.: Wieder mal traf Hans die bessere Entscheidung: er drehte mühelos im Rauriser-Tal am Hundskopf nochmals auf und glitt entspannt den Grat entlang Richtung Auto/Landeplatz… – der alte Fuchs!

Bei Kötschachdorf soarte ich noch geduldig auf, um zumindest zum Landeplatz zu kommen. Ich hatte ja keine Ahnung, ob jemand anderer es auch schaffen würde…

Beim Abfliegen über Hofgastein Richtung Böckstein, hatte ich dann Hans ausgemacht, der gerade das Dreieck so gut es ging zumachte. Links: Böckstein aus der Luft – und im Bild rechts die in das steile V-Anlauftal eingebettete Tauernschleuse…

GESCHAFFT! Hans war am Boden – und auch Werner hat per Funk mitgeteilt, dass er ebenfall schon im Gasteiner Tal und auf dem Weg Richtung Landeplatz sei! WOW!

steiler Blick aus der Landeeinteilung:
links: auf die durchflogene Umkehrthermik bei Bad Gastein und Böckstein
rechts: auf  Böckstein und den noch Sonnen-beschienenen Kreuzkogel und das Schareck

Ein überglücklicher Werner landet zum Shake-Hands kurz nach Hans und mir ein. Und auch Much landet nur wenige Meter entfernt bei Bad Gastein gegen 19:00 Uhr ein.
WAS FÜR EIN TAG!!!
Geniale Start- und Flugbedingungen – über den ganzen Tag hindurch; wie oft hat man das schon im Jahr?!? Die Tage muss man nützen – und das haben wir! 4 von 5 Piloten landeten wieder beim Auto ein – jeder nach über 8:40 Stunden Flugzeit mit nem blauen 200er in der Tasche *YEAH* – so g´hört sich´s! :-)))
rechts noch mein Flugpfad: Hauptkamm-Bayern-Gerlos-Hauptkamm, der aber besser direkt auf der XContest-Site analysiert werden kann…

Aber das war an dem Tag noch nicht alles von Sportgastein aus: *g*
GRATULATION zum FAI-Weltrekord an Heli Eichholzer (und Flugpartner Chrisi „Meister“ Eder) – Wahnsinns-Flüge habt ihr an dem Traumtag da hingelegt! Wenn ihr nur früher gekommen wärd, dann… – i sog nur: 280er-FAI!!!

 

Lessons Learned:

  • Man kann NIE zu früh am Startplatz sein! selbst heute waren wir gut in der Zeit – und hätten dennoch eine halbe Stunde früher rausgehen können…
  • In unbekanntem Gebiet HOCH bleiben und den Drang bändigen, sobald es zu gehen scheint, voraus zu pushen – bereits 1 Baustelle kostet wieder viel Zeit (nicht nur für Stoßgebete à la: „BITTE LÖS OB!!!“)
  • wieder mit den Nova-Jüngern auszurücken – war heute ein Pilotenmix, von dem wirklich JEDER profitierte – speziell Hans spurte auf seinem Mentor 2 auf dem 1. Schenkel wirklich famos!!
Hast Du bis hier hin durchgehalten? Dann würde sich mein Gästebuch extreeem über eine kleine Wortspende freuen! *ggg*

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One Response

  1. Lex Robé sagt:

    Mein erstes Österreich-ü200-FAI

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