Menu

05.09.04: Herbst-Streckenfliegen in den Dolomiten – Marmolada inklusive!

05.09.04: Herbst-Streckenfliegen in den Dolomiten - Marmolada inklusive!

Streckenfliegen in den Dolomiten – Marmolada inklusive!

Dolomiten – 05.09.2004 – TAG 1

Die Eckdaten:

  • Start: 15:08 Uhr Col Rodella oberer Startplatz, 2380m
  • Zwischenlandung: 15:55 Uhr Marmolada, 3248m (in nur 47 Minuten auf der Marmolada!)
  • Landung: 18:13 Uhr, Talstation Col Rodella, 1613m
  • Kilometerleistung: 29.7km

Endlich war es soweit – die Sterne schienen günstig zu stehen, dass die erste September-Woche dem ersten Dolomiten-Ausflug meiner Flieger-Karriere gutes Wetter bescheren sollte. So nahm ich kurzerhand die erste Wochenhälfte Zeitausgleich und startete mit Flieger-As Jürgen Hartmann, Präsi Jürgen Müller und Kosovo-Heimkehrerin Eva Lemmerer Richtung Südtirol.

Nachdem Jürgens Kombi kurz vor Innsbruck einen Ablieger hatte, kamen wir erst gegen 12:00 Uhr an der Talstation am Col Rodella in Campitello di Fassa an.*

Da die Bahn bis 13:00 Uhr Mittagspause hatte, speisten wir noch ne Kleinigkeit, sodass wir erst gegen 14:00 Uhr die Bergstation erreichten. Und uns bot sich ein wahrlich beeindruckendes Panorama – was würden wir davon wohl alles erfliegen können?

*Dank Präsi Jürgens Heiligtum Octavia (wie sich´s für einen richtigen Musikschullehrer gehört, muss natürlich auch der Autoname Ausdruck seiner Berufung sein…) konnten wir überhaupt unsere Reise erst fortsetzen! DANKE!

Der Wind hatte bereits etwas auf Ost gedreht, sodass wir auf die höher gelegene Startwiese unterhalb der Gipfelstation raufmarschierten (ca. 15 Min Gehweg) -> rechte rote Ellipse.

Dei beiden Jürgens gingen als erste raus und ich wartete noch bis Eva sicher rauskam – schliesslich war sie über 4 Monate flugabstinent…
Der Wind hatte bei meinem Start bereits wieder auf West gedreht (der Talwind setze sich durch), sodass ich durch den rasanten Abwindstart die ersten 100 Höhenmeter im Lee runterschwamm, bevor ich mich auf die Luv-Seite retten konnte.

Nach gut 15 Minuten Flugdauer konnte ich mich jedoch mit den Nemeton-Jungs unter der Basis wiederfinden. Leider nur die Jungs, denn Eva fühlte sich Job- und Jetlag-bedingt in der ausgeprägten Dolo-Thermik noch nicht so richtig wohl und funkte mir zu, dass sie zum Landeplatz abgleitete…

Das Bild oben zeigt die beiden westlichen Startplätze: links der untere Startplatz, der am Nachmittag aufgrund Talwind und Sonne optimal ist. Gleich (rote Spirale) dahinter steigt ein zuverlässiger Bart weg, der wann immer ich ihn vorfand mind. 2.5m/s Steigen bot. Dieser war es auch, der mich an diesem Tag bis an die Basis hochschoss.
Ein weiterer Startplatz befindet sich weiter westlich (roter Pfeil und leider nicht im Bild), gleich nach dem Restaurant und auf Niveau der Berstation. Am Kammrücken (untere rote Spirale) findet sich ein zweiter Hausbart, der an der vorderen Felskante ablöst – für diejenigen, denen er erste zu „hart“/windzerrissen ist oder ihn als Aufstiegshilfe weil zu tief nutzen müssen…

Mit bis zu 5 m/s ging´s also bis unter die Basis ich konnte dann das erste mal die Konzentration auf das mich umgebende Panorama richten. EINFACH ATEMBERAUBEND! Und das nicht nur wegen der dünnen Luft auf 3400m ;-):
Bild links zeigt Präsi Jürgen vor dem Gletschergebiet der Marmolada – ein Top-Landing auf diesem Schneeplateau ist für jeden Piloten der Traum! (nicht zuletzt bekannt aus Toni Benders Gleitschirm-Film „Glücklicher Ikarus“)

Sollten wir bereits am ersten Tag das große Glück haben, unseren Fuss auf den „heiligen Berg“ zu setzen? Es wäre zu schön…

Leider hatten die Jungs andere Frequenzbänder als Babe Eva und ich (PMR vs. LPD), sodass wir nicht direkt den Marschbefehl Richtung „Big M“ koordinieren konnten. Ich kurbelte noch mal bis an die Basis und folgte Jürgen H., sobald ich erkannte, dass er es gleich am ersten Tag probieren wollte.
Präsi Jürgen M. flog indes etwas weiter weg von der Talwolke und konnte uns dann aufgrund der fehlenden Höhe leider nicht mehr folgen.

OK – also nur mehr Jürgen Hartmann (im Folgenden nur mehr: Jürgen) und ich – und sonst niemand mehr an der Marmolada… WARUM BLOß?! War die Luft zu „heiss“? Ist es zu gefährlich? Das Lee zu ausgeprägt? So ziemlich alle Zweifel, die man als „early Bird“ so hat gingen uns durch den Kopf. Doch halt, da war ein Pilot: ein Icaro Ice schoss uns tief entgegen – pfeilgerade! „Mann – was muss der wohl erlebt haben?!“ – unsere Skepsis wuchs dadurch noch weiter an…

In der Höhe beim Marmolada-Gebiet hatte es leichten Ost-Wind – etwa 10 km/h.
Dennoch versuchten Jürgen und ich unser Glück auf der sonnenbeschienenen West – also Lee-Seite…

…zaghaft und hochkonzentriert tasteten wir uns vorsichtig an die beeindruckenden Felsen heran. Jürgen etwa 200m vor und etwa 50m unter mir flog eine defensive Route, die ihn offensichtlich nicht mit Aufwind belohnte. Mit dieser Info versuchte ich mein Glück etwas weiter hangnahe und wurde tatsächlich mit einem kräftigen Heber beglückt. Etwas windzerrissen aber trotzdem langanhaltend genug, um sogleich zu versuchen in einem engen Kreis das Zentrum halbwegs herauszuarbeiten. Es funktionierte! Aber wie? Nur unter teils massiven Ausgleichs-Steuerbewegungen – aber Hauptsache aufwärts, denn Höhe ist Sicherheit! Wenigstens einen Bonus hatt dieser Bart -> er versetzte einen immer weiter weg von der Felswand aufgrund des Lee-Charakters – sehr beruhigend… Trotzdem getraute ich mich nicht Fotos zu schiessen – zu gross war der Respekt und zu groß die Angst, das Unterfangen Marmolada könnte scheitern!

Auch Jürgen hatte mittlerweile einen Bart ausgegraben – zumindest schien es so, denn ich war mittlerweile bis über den Grat gestiegen – endlich! Lee-Gefahr gebannt – dafür aber Windversatz-bedingt ca. 2km Luftlinie weit weg von meinem Ziel (siehe Bild oben).
Ich liess den Bart nicht los, drehte ihn aus bis er langsam verebbte und setzte dann aus über 3600m zum Endanflug an (siehe Bild links).

JUNGFRÄULICH STAND SIE VOR MIR – die MARMOLADA! Kein Mensch am Berg, kein Gleitschirmflieger weit und breit und ich im Endanflug mit ausreichend Höhenreserven – ein unbeschreibliches Gefühl!

Die Landung selbst war am mittlerweile abgeschatteten Gipfel unerwartet einfach – bei praktisch Nullwind setzte ich elegant im Telemark-Stil am oberen Ende des Schneefelds auf.

GESCHAFFT – die Marmolada „entjungfert“!!!

Und in welcher Zeit erst! Sage und schreibe 47 Minuten zwischen Start und Landung – Für meine Verhältnisse äusserst effizient! Linkes Bild: Blick Richtung Startplatz und der dahinter liegenden Langkofel-Kette mit ihren markanten Spitzen
Rechtes Bild: Vom Ladeplatz aus Richtung Ost
Ich konnte meine Glückshormone kaum in Zaum halten, als sie erneut drohten überzugehen: Jürgen schien es ebenfalls erkurbelt zu haben und setzte zur Landung an. Wenig später waren zwei Vorarlberger Jungflieger mehr als happy, den Fliegertraum wahr gemacht zu haben und sogar die einzigen auf dem Gletscher-Plateau zu sein! Und das gleich am ersten Tag!

Etwas später gesellten sich auch noch der Icaro-Ice-Pilot, sowie ein Tandem-Pilot mit seiner Prinzessin zu uns. Geniessen war nun angesagt…

Nach einer guten Stunde auf dem Marmolada-Gipfelplateau gingen wir wieder raus, um noch etwas Thermik vor deren Einschlafen zu erhaschen und das Panorama noch etwas zu geniessen – wer weiss, wann wir wieder die Gelegenheit bekommen sollten, hier einladen zu drürfen…

Jürgen liess es sich nicht nochmal nehmen und fertigte bei seinem Touch´n´go noch dieses Foto an, das die Marmolada von der Ostflanke her zeigt, wo man schon halbwegs die mächtige Südflanke erahnen kann – sie sollte am dritten Tag nochmal eine grosse Herausforderung darstellen…

Bild rechts zeigt den Lago die Fedaia vor dem Pordoi-Pass (links)

Ein letzter Blick in der Abendsonne zurück und ab ging´s zum Landeplatz an der Talstation, wo wir neben unserer anderen Urlauber-Hälfte auch noch Nemeton-Konstrukteur Michael Nesler und Crew antrafen.

Gleich neben der Talstation suchten wir uns ein Quartier und liessen bei Bier und Grappa den wundervollen Tag würdig ausklingen…

Dolomiten – 06.09.2004 – TAG 2:

Die Eckdaten:

  • Start: 14:02 Uhr Col Rodella, 2249m
  • Zwischenlandung: 15:02 Uhr Col Rodella, 2249m und „Schoki-Hügel“ laut Vetters Definition 😉 ~2400m
  • Landung: 20:12 Uhr Talstation Col Rodella, 1612m
  • Kilometerleistung: 18km in 59 Min für die kleine Sellastock-Runde

 

Für den nächsten Tag machten wir uns schon früh auf den Berg. Doch das frühe Aufstehen hatte sich nicht wirklich ausgezahlt: Feuchte Luftmassen schoben sich über Nacht ins Tal und hielten sich sehr zäh am Startberg. Gegen Mittag waren die Langkofel-Spitzen immer noch in Wolken gehüllt.
Verstärkung aus der Heimat hatte sich für diesen Tag auch in Form von Gerhard Scheffknecht angesagt. Seineszeichens alter PWC-Crack und wahrer Streckenfuchs – auf die Marmolada hatte jedoch auch er bis dato seinen Fuß noch nicht setzen können. Unsere Nachricht hatte auch ihn motiviert, sein Glück zu versuchen und so stieß er am Montag Mittag zu uns…

Wir bewunderten die Acro-Künste von Dani Loritz (FreeX-Konstrukteur) samt Teammate, als der Wind am Startberg (diesmal der rechte Starthang neben dem Bergresti) so auffrischte, dass ein Start mit Schirmen normaler Größe nicht ohne großes Risiko möglich war. Also wieder rein ins Bergrestaurant und den hungrigen Fliegermagen mit einem klassischen Südtiroler Speckbrot ruhig gestellt…

So starteten wir beinahe wieder so spät wie am ersten Tag. Diesmal beschlossen Jürgen und ich eine Sellastock-Runde zu versuchen. Der freakige Tandem-Pilot hatte uns bestätigt, dass dies möglich sei bzw. er sie sogar gestern mit dem Tandem gemacht habe – nun gut…

Jürgen, Scheffi und ich versuchten also unser Glück bei den nicht unbedingt optimalen Bedingungen – erneut herrschte ONO-Wind mit ca. 10-15 km/h vor – Leichte Inversion, die nur pulsierende Thermik-Wolken gelegentlich erfolgreich zu durchstoßen vermochten.
Eva, die an diesem Tag als Erste raus ging flog eine Runde Richtung Rosengarten und entschloss sich erneut zu einer frühen Landung. Jürgen Müller flog erst noch ein wenig mit uns mit, bis ich ihn irgendwo am Beginn des Sella-Stocks aus den Augen verlor…

Mit Jürgen kurbelte ich so einige Bärte Stabi an Stabi, wobei er dieses traumhafte Foto von meinem Fluggespann vor dem Sella- und Marmolada-Massiv schiessen konnte (Danke Mann! -> Poster ziert bereits mein Arbeitszimmer).

Wir fassten den Entschluss, uns Richtung Ostende des Sella-Stocks durchzuarbeiten. Keine leichte Aufgabe bei Gegenwind und wenig ausgeprägter Thermik…
…also so hoch ankommen wie nur irgend möglich, um den Lee-Winden hinter der Moé-Ost-Kante zu entgehen. War ich anfangs noch deutlich unter Jürgen (siehe Fotos oben) konnte ich nach einiger Zeit doch zu ihm aufschliessen und wir wagten gemeinsam den Abflug Richtung Moé (Gipfel mit der kleinen Bergstation). Scheffi flog indes weiter Richtung Norden zum Langkofel…
Wir erreichten den Ostgrat gerade noch mit ausreichend Höhe, aber das Aufkurbeln an der windzerrissenen Schattenseite des Sellastocks war sehr anspruchsvoll – zu anspruchsvoll für unsere Geschmäcker und wir traten gerade mal mit Grat-Höhe die Heimreise an. Mit Rückenwind ging´s zügig Richtung Col Rodella – geradewegs über die Bergstation des Pordoi-Passes (Bild rechts).
Bild rechts: Jürgens extravagantes Nemeton-Design über dem Sella-Stock
Bild links: Blick vom Pordoi-Pass Richtung Süd-Südost zur Marmolada…

Bild links: Jürgen wählte nochmal die Route entlang des Sella-Stocks bevor wir uns beide beim Top-Landen an der Bergstation des Col Rodella wieder trafen…
Bild rechts: Ein Blick zurück auf die Sella-Stock West-Flanke

Bei der Landung am Col Rodella sah ich dann wieder Präsi Jürgen in der gemütlichen Frühabend-Thermik seine Kreise ziehen – keine Ahnung welche Route er an diesem Tag flog, da er bereits an diesem Nachmittag zu Frau und Kindern heim fuhr…

Nach kurzem Sit-In starteten Jürgen und ich bei leichtem Abwind wieder raus, um mal die Tal-Südseite fliegerisch zu erkunden. Dabei trennten sich unsere Wege und ich soarte erfolgreich den im Talwind und Abendsonne liegenden „Schoki-Hügel“ hoch, den „Vetter“ (der im schicken Türkis-Outfit im linken Bild) bereits mit 4 Windanzeigern bestückt hatte.

Kurz danach gesellten sich auch Manu (im Bild mit dem rot-schwarzen UP Trango) und ein weiterer Zoom-Pilot zu uns und wir genossen noch ein wenig die Abendsonne…
…und Vetters „unaufdringliche“ schweizer Art vom Fliegen zu erzählen 😉

Die Dunkelheit der Nacht hatte längst das ganze Tal erobert und die Sonne drohte nun auch am Grat den alltäglichen Kampf gegen den Schatten zu verlieren…

Als Vetter und ich rausgingen war der Aufwind definitiv zu schwach, um Fluggefährte wie unsere in der Luft zu halten. Ein Abgleiten in beinahe statischer Luft schloss diesen Flugtag sehr entspannend ab.

Im Bild noch das Städtchen Campitello, in dem sich um 20:00 Uhr abends nicht mehr viel tat. Der Landeplatz ist rechts oben zu sehen – gleich neben der Talstation mit dazugehörigem großen Parkplatz.

Dolomiten – 07.09.2004 – TAG 3

Die Eckdaten:

  • Start: 12:12 Uhr Col Rodella, 2249m
  • Zwischenlandung: 16:32 Uhr Marmolada, 3248m (auf an Südtiroler Speck und a Heineken)
  • Landung: 17:50 Talstation Col Rodella, 1613m
  • Kilometerleistung: 31.07km in 2h32 bis zur Zwischenlandung auf dem Gletscher, danach noch 18 km bis zum Landeplatz (Flug in 3D nachvollziehen: dolomiten_040907.zip – beinhaltet alle 3 Flugtage+ 2 Panoramabilder; am besten mit CompeGPS, SeeYou o.ä.; Demoversionen voll lauffähig!)

Neuer Tag, neues Glück. Aus dem Aufwindzyklus des Vortages gelernt, beschlossen Jürgen und ich bereits früher als gestern die Stoff-Flügel zu spreizen und in die dritte Dimension zu entschweben…
Kurz nach Mittag legten wir bereits aus, währenddessen unsere routinierten Alt-Flughasen Eva und Scheffi noch einem Kaffeetscherl bei obligatem Tratscherl frönten.

Diesmal stand der Langkofel (Bild links; vom Startplatz aus fotografiert), Rosengarten, dann Talquerung auf der Südseite ins San Pellegrino-Tal und dieses entlang zur imposanten Südflanke der Marmolada – Toplanding wenn möglich – und dann weiter Richtung Osten, wenns der Wind zuliess und zurück über den Sellastock – ein Dreieck von gut 90km also. Ziele darf man ja haben…

Als erster kurbelte ich in der für Dolomitenverhältnisse noch zaghaften Mittagsthermik Richtung Langkofel. Wieder mit sehr grossem Respekt, denn der überregionale NO-Wind betrug wieder mal so ca. 10-15 km/h. Ich stieg tief ein und achterte die ersten hundert Höhenmeter behutsam hoch… (Bilder nicht von diesem Tag – dennoch reingenommen, um eine Idee der Mächtigkeit der Langkofel-Kette zu vermitteln)

…bis ich den Langkofel um etwa 200m überhöhen konnte. Nicht viel, aber wie man an den Fotos unschwer erkennen kann, war der Tag relativ stabil und liess nur schwache Thermik und schon gar keine Wolkenbildung zu – vorerst jedenfalls. Um diese Uhrzeit war also reines Blauthermik-Kurbeln angesagt – sehr anspruchsvoll in fremden Gebieten!

Mit etwa 3200m startete ich also mein von Scheffi gecoachtes Unterfangen der Dolomiten-Runde. Jürgen hatte Mühe den Startplatzbart richtig auszukurbeln und so verlor ich ihn bald aus den Augen.

Bild: Vor mir der Rosengarten (Gebirge rechts) mit den Städten Vigo und Pozza die Fassa…

In der stabilen Schichtung konnte ich am Rosengarten kaum Steigen über 2.0 m/s finden und die Basis weiter unten Richtung SO war so tief, dass nicht mal die Gipfel frei waren. So beschloss ich die Tour etwas abzukürzen und gleich in Richtung der einzigen nicht pulsierenden Thermik-Wolke zu fliegen (Bild rechts).

„Besser eine kleine Runde beenden, als beim Versuch der großen zu scheitern und irgendwo in der Pampa landen zu müssen.“ So setze ich mit gerade mal 3240m zur langen Querung Richtung OSO an, die der NO-Wind nicht unbedingt vereinfachte.
Bild links: Blick zurück in den NO-Ausläufer des Rosengartens
Bild unten links: zeigt den Blick zurück auf den Langkofel und den Sella-Stock mit unserem „temporären Heimatstädtchen“ Campitello im Talgrund.

Gerade mal so halbwegs über den Grat des baumfreien Hügels im Bild oben rechts gekommen, schwemmte mich das Lokalwindsystem auch schon weiter talwärts Richtung Süden. Ich erspähte am Hangende eine steil abfallende Felsflanke, von der ich mir wenigstens ein bisschen Aufwind erhoffte – mein letzter Rettungsanker, bevor ich gnadenlos ins Tal abzusaufen drohte. Und dann gings los:

Lee-Bergabwind meets Thermik-Ofen!

Nach äusserst hartem Einstieg knapp über der Kante (2180m), konnte ich den Leebart erfolgreich hochspiralen und fand mich 8 Minuten später auf 2950m unter der Basis wieder. Dank der gutmütigen Klappeigenschaften meines Gin Zoom M hielten sich die Resultate der Schirmdeformationen in noch kontrollierbarem Rahmen… *g*

„Oben“ musste ich mir dann mal eine Verschnaufpause gönnen und nutzte diese zum Planen der weiteren Streckenführung: Ich könnte einfach an der Basis abwarten, oder… Warten war ja noch nie wirklich meine Stärke also riskierte ich und flog Richtung Grat der südlich liegenden Bergkette.
Die Gipfel der Südflanke, die zur Marmolada führte, waren zur Gänze mit Wolken verhangen. Na klass!„Auf der Luv-Nordseite bleiben oder rüberdümplen auf die sonnenbeschienene Lee-Südseite?“ Keine leichte Entscheidung und die Zeit drängte, da ich am Grat die Höhe nicht halten konnte. (das Bild rechts zeigt zwar die Nordansicht der abgerittenen Flanke, jedoch NACH der Marmolada-Landung. Ca. 1 Stunde davor war die Basis noch unter Grat!)Wie das 3D-File zeigt, schaffte ich grad mal den Sprung über einen Grat-Einschnitt und musste dann erst wieder Geduld beim Abfliegen der Flanke auf der Suche nach nennenswerter Thermik beweisen. Mühsam ging’s – zum Gaudium der dutzenden Bergwanderer – dann doch noch über Grat und ich war dankbar, dass ich nicht durch eine unfreiwillige Landung einer von ihnen wurde…
Für eine Strecke von ca. 3.5 km brauchte ich sage und schreibe 45 Minuten und gewann dabei grad mal 500 Höhenmeter – that´s what I call „anstrengend“!
Schliesslich fand ich noch einen Bart der mich entlang der Wolkengrenze auf 3100m schob, mehr ging dort nicht. Also flog ich ziemlich tief Richtung Marmolada-Südwand ab (Bild links). An einer vorgelagerten Kante soarte ich nochmal 80m hoch und überlegte mir dabei, wie ich die Südflanke wohl am geschicktesten anfliegen konnte…
100m vor der Wand dann meldete sich der Stall-Alarm: entweder es geht jetzt gleich mächtig hoch oder mein Flugabenteuer auf den Spuren des „glücklichen Ikarus“ sollte hier ein jähes Ende finden…
…Und die Wand, sie trug! Und wie! Hochkonzentriert flog ich die beeindruckende Flanke hangnah ab, um sie „thermisch kennenzulernen“. Anfangs achterte ich die ersten Höhenmeter hoch – vorbei an den zahlreichen Kletterern, die mich gleich als Fotomotiv zu schätzen wussten. „Grande Pilote“ hiess es sogar einmal aus einem der Münder der Bergfexe! Doch es galt noch den Lee-Rotor zu meistern, der mich knapp unter dem Grat wohl noch erwarten würde. Die Thermik war zum Glück stärker, sodass ich gerade mal sechs Minuten später mit „Schirm in Konstruktionslage“ über den Marmolada-Grat hinausschoss.
„Beeindruckende Steigperformance“ wird sich wohl der eine oder andere Kletterer gedacht haben, in Anbetracht der 450m Höhendifferenz.

Als ich das erste Mal an diesem Tag so richtig entspannt zur Landung ansetzte, traute ich meinen Augen nicht. Jürgen war schon auf der Marmolada gelandet! WOW!

Er hatten den Speck dabei und ich das Bier samt Brot. A Brettljausn auf 3250m! Das hat was.

Beide wieder überglücklich, dass uns der Doppelschlag gelang, machten wir´s uns so richtig gemütlich , schauten den anderen Piloten beim Kurbeln zu und tauschten begeistert unsere Flugerlebnisse aus. Er war eine ähnliche Route geflogen, jedoch ca. eine halbe Stunde später und er liess die wolkenverhangene Südflanke aus. (Name?)
Jeder war mit seiner Performance zufrieden…

Sogar Scheffi fand noch den Weg zu uns, landete aber nicht ein, da er sein 60er Dreieck zumachen wollte. Er winkte uns stattdessen mit einigen Wingovern vom azurblauen und wolkenarmen Himmel.

Bild links: Frei nach Schuh des Manitu: „Jetzt gehen wir alle nochmals auf´s Klo und dann fliegen wir los“ – in über 3200m *LOL*

Ein letztes Mal auf über 3700m am Marmolada-West-Hausbart aufgedreht und nach ein bisserl Rumgurken mit Groove-Armadas „At the River“ im MP3-Player ging´s chillig und auf Umwegen Richtung Startplatz und als dort kein Bekannter zu sehen war, bald darauf zum Landeplatz.
Scheffi kam nämlich zu Mittag mit der Kunde, dass der Wind auf Nord drehen würde und uns sogar eine Kaltfront streifen könnte. Somit erklärten wir das Dolomiten-Abenteuer für beendet – zumindest für dieses Mal…

Anbei noch die geflogene Route von Tag 3, die auch die Spots von denen die obigen Fotos aus geschossen wurden, beinhaltet.

Ich hoffe damit denjenigen, die sich die Dolos auch mal aus der dritten Dimension anschauen wollen ein paar nützliche Tipps geben zu können. Flugtage sind dort bei geeignetem Wetter wahrlich atemberaubend und immer eine Reise wert!

(Angehende) Marmolada-Stürmer sind natürlich auch in meinem g(ipfel)-book herzlich willkommen!

 

Hast Du bis hier hin durchgehalten? Dann würde sich mein Gästebuch extreeem über eine kleine Wortspende freuen! *ggg*

Creative Commons Lizenzvertrag Alle Bilder und Videos von Alexander Robé stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz. Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie über das Kontaktformular anfragen.
Gefallen Dir meine Beiträge oder Videos? Dann freue ich mich sehr, wenn Du Dich für meine vielen Stunden der Aufbereitung mit einer kleinen Spende bedankst!

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.