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05.06.15: neuer STEIERMARK-REKORD: 257km FAI-Dreieck

05.06.15: neuer STEIERMARK-REKORD: 257km FAI-Dreieck

Hammertag am Stoderzinken bringt neuen STEIERMARK-REKORD!

Gestartet hat alles am Mittwoch, dem 3.6., mit einem richtigen Griff ins Klo: Alle waren nach langer Flugabstinenz wieder top motiviert, nur das Wetter nicht. Die Prognosen sagten zwar etwas feuchter an, aber was sich über Nacht in Zentralösterreich festsetzte zeigte, dass Petrus ein ganz spezieller lustiger Geselle sein muss:

Ein fettes Wolkenband schattete den gesamten Nordalpenbereich derart ab, dass Jörg Lasser und ich wieder mit dem Gedanken spielten, den Urlaubstag doch wieder in einen Arbeitstag umzuwidmen. Dem Gruppenzwang und der guten Stimmung war es schließlich geschuldet, dass wir beide dann doch mit Ralf Kahr-Reiter, Walter Wilding, Werner Luidolt und Hannes Zettler gen Himmel fuhren, weiterwanderten, uns startbereit machten – und erst mal warteten…
…denn die Auflockerungen waren wohl eher in unseren Köpfen, als real. Als es dann um 11 Uhr endlich kurz aufmachte, ging es dafür prächtig unter den schwarzen Saugern. Alles in allem jedoch kein Tag für Rekorde und wir alle brachen, trotz guter Schnittgeschwindigkeiten um die 30 km/h die Flüge ab – es war einfach zu unberechenbar…

Hier die Foto-Ausbeute, die verdeutlicht, dass unsere Trefferquote doch noch nicht ganz bei 100% liegt: 😉

Ganz anders sollte sich der Folgetag präsentieren: die Luftmasse trocknete weiter ab und der Himmel bot zu Fronleichnam wahre Hammer-Anblicke – leider nur vom Boden aus, denn Austrocontrol bewertete den Donnerstag bis zur Abendprognose als eher mau und grundsätzlich gleich wie Mittwoch. Also mit der Familie Freibad-Tag angesetzt und am Nachmittag beim Heu-Einbringen bei unserem Startplatz-Bauern geholfen.
Für Freitag war abermals weitere Stabilisierung vorhergesagt – die Frage war nur: wie stark? Bleibt es noch labil genug für den Stoder, oder sollen wir eher in Hauptkamm-Nähe starten, von wo aus es noch früher gehen könnte. Nicht zuletzt aus patriotischen Gründen war schließlich klar, dass wir am Freitag dem Stoderzinken den Vorzug gegenüber dem Stubnerkogel geben würden.
Viele XC-Granden aus allen Ecken des Steirer-Landes organisierten sich zusammen und pilgerten nach Gröbming. Lediglich meine Bodenlosen Vereinsmates Staufisch und Tommi glaubten eher an den Stubner und wollten von dort aus ihr Glück versuchen.

Hier wieder die Wetter-Prognosen für die Nordalpenseite:

Unser eingeschworener „Stoder-FAI-Dreieck-Kern“ bestehend aus Werner Luidolt, Berni Peßl, René Hussler, Jörg Lasser und mir hofften auf einen frühen Start und so vereinbarten wir 7:30 Uhr als Treffpunkt für die Auffahrt zur Rosemi-Alm. Die zweite Tranche Untersteirer wollte sich eine Stunde mehr Schlaf gönnen und fuhr 8:30 Uhr mit dem Skyclub-Shuttle rauf.

Beim halbstündigen Aufstieg waren wir noch am Zweifeln, ob es im Ennstal nicht zu trocken sei, denn es bummerlte um 8 Uhr bereits am Alpenhauptkamm!
Aber bereits bei Erreichen des Gipfels war klar, dass auch wir heute unsere Chance bekommen sollten: Der Thermikindikator für den Weg gen Westen, der Scheichenspitz (östlich vom Dachstein), zeigte ebenfalls erste Cumulus-Anzeichen!
Blieb nur noch die Hoffnung, dass der Tag nach hinten raus nicht überentwickelte – nur allzu oft sind die Tauern gewitteranfällig, wenn in aller Früh dort schon Wolken sprießen… – hatten wir ja schon mal…

Anbei eine fette Kollektion von Elisabeth Wilding mit 261(!) Fotos vom bunten Startplatztreiben auf unserem schönen Stoderzinken – es sollten alle Stoder-Gläubigen mehrmals drauf sein 😉 :
Teil 1: Einzug der Gladiatoren bis Start Werner Luidolt

Um die Ladezeiten erträglich zu halten, sind die restlichen 160 Fotos (von Tommy Hofbauer bis Peter Egger) in eine eigene Diashow ausgelagert:


Alternativ hier der Google+ Link. Für Fotos in Originalauflösung einfach melden…

Details

Stoderzinken/Gröbming:

  • Land Region: Aut, Stmk/Ennstal
  • 2030 (Gipfelstartplatz)
  • Höhendifferenz: 1170m

Infos unter:

unsere Flüge

zum Downloaden & Nachfliegen:

Alle Flüge weltweit vom 5.6. auf XContest – der Stoder war dann doch der Hotspot gegenüber dem Stubnerkogel… – wieder ein glückliches Naserl gehabt 😉

Die weitesten Flüge vom Stoderzinken aus: auf XContest

Die 3D-Show:

Unsere 200er-Flüge zum Nachfliegen im virtuellen Doarama-Relief:

Die Story:

Hinweis: Alternativ zur kompletten Story kann per Klick auf ein Bild in den Slideshow-Modus mit Untertiteln gewechselt werden. Blättern durch Klicken im rechten & linken Rand des Großbilds.
1: XC-Styria1 ready for takeoff Es war ein wahres Happening! Wie aus Elisabeths Bildern oben ersichtlich konnte der Spirit mit nichts geringerem als „überschwenglich“ bezeichnet werden: Jeder XC-Flieger spürte die Kraft des Tages. Blauer Himmel, wenig Wind, frühe Thermik – die Grundzutaten für weite Flüge!
3: Mit Werner im Stoder-Corkscrew - und das um 9:35 Uhr! :-) 2: Mit Werner und Tommy nach dem Rauslegen des Startpunktes ins Tal

René und Berni hauten sich um 9:22 Uhr als Erste raus und konnten bereits souverän Höhe machen. Keine 3 Minuten später war auch ich startklar und airborne. Mit Steigwerten von 1-2 Metern zog es bereits an mehreren Stellen gut hoch und so hatte ich weder Mühe noch Absaufrisiko beim frühen Eindrehen.

Während René mit 150m Startplatzüberhöhung gleich weiterflog, drehte Berni zuvor bis an die noch jungfräuliche Basis. Ich selbst setzte meinen Eckpunkt wieder etwas weg vom Berg, um weniger Lücke im Track zu haben, falls es am Abend doch nicht mehr ganz auf Startplatz-Areal reicht. Ich hatte mir nämlich zusätzlich ein 262er-FAI-Dreieck in mein OUDIE3 gespielt, um – bei Vollendung der Strecke – alle Kriterien für einen offiziellen FAI-Rekord zu erfüllen. You never know… 😉

Beim Wieder-Andocken an den Stoder war ich mit Werner auf gleicher Höhe und wir konnten…

4: Magisch-mystisch - das Ennstal im labilen Morgendunst 5: Blick Richtung West: Den Schirm einfach raus-retuschiert, damit man den schönen Dachstein in seiner vollen Pracht erkennt! :-)  …das Ennstal im labilen Morgendunst erleben. Ein magisch-mystischer Anblick!
Bild links: Blick ins östliche Ennstal auf Kammspitz und Grimming
Bild rechts: Panorama-Blick Richtung West auf unseren Flugpfad Richtung Dachstein – wer braucht da schon einen Gleitschirm im Bild? 😉
6: Und los geht's! Aus Werners Perskeptive Richtung Dachstein... 7: Vor dem Scheichenspitz zu Berni aufgeschlossen... Werner und ich – per Funk verbunden – beschlossen es ruhig angehen zu lassen und die erarbeiteten Höhen nicht durch übermäßiges Speeden leichtfertig auf’s Spiel zu setzen: Es war noch früh am Tag! So starteten wir um 9:40 Uhr mit Basishöhe 2400m  unseren Eroberungsversuch des  ersten Schenkels. Siehe Bild links von Werner…
Ich erwischte mit meinem Mantra M6 gute Zyklen der noch pulsierenden Thermik und konnte dadurch gut zu Berni aufschließen, wo wir gemeinsam den Saurücken nach besseren Thermik-Quellen abgrasten (Bild rechts von Berni)
8: ...einen guten Aufwind-Zyklus erwischt... 9: ...und weiter geht's zum Dachstein-Massiv (unten) Durch die phänomenalen M6-Steigeigenschaften konnte ich dem Glück wieder etwas nachhelfen und früh weiter zur Kampspitze gleiten, an deren unterem Drittel ich René auf 1400m rumkratzen sah. Ein weiterer Reminder, den Tag noch nicht zu früh rauszufordern…

Beide Fotos von Berni: Im Anflug auf den Dachstein

10: Blick zurück auf Berni, Werner und Co. 11: gerade das letzte Bummerl am Dachstein war sautief bei 2500m Die Annäherung an den Scheichenspitz. Dieser hatte dann ein auf 2500m entschieden zu tiefes Bummerl  (Bild rechts) parat, sodass ich mich auf meine 2 Zwischentankstellen…
12: meine Standard-Zwischentanke am Duregg hatte nochmal einige zarte Höhenmeter parat - aber egal, es war noch früh und ich ging auf Nummer sicher... 13: ...bevor ich den Rossbrand in Angriff nahm. Ich wollte auf alle Fälle genug Höhe haben, um direkt zum Bummerl weiter im Westen gleiten zu können...  …Brandriedel und Duregg (Bild links) verließ, um genug Höhe für einen Risiko-minimierten Rossbrand-Approach zu haben. Dies gelang – wenn auch nur in einem schwächelnden 1m/s-Bart, den Berni geflissentlich ausließ, um direkt Richtung Rossbrand weiterzustechen.

Nach dem Kellergeschoß-Trip am Rossbrand 2 Tage zuvor investierte ich lieber die 10 Minuten in zusätzliche 350 Höhenmeter, um mehr Optionen zu haben und konnte den Rossbrand in guter Höhe ohne große Probleme hinter mich bringen – erste Schlüsselstelle des Tages geschafft! 🙂

Berni selbst hatte zwar Anschluss gefunden, vertraute aber darauf, dass es vorne noch besser gehen würde und handelte sich prompt eine 30-minütige Baustelle am Rossbrand ein *bitter*

14: Der Anschluss bei Flachau gelang dann auch deutlich besser als 2 Tage zuvor :-) 15: ...und Werner war auch schon auf dem Weg Der Anschluss nach der Eben-Querung gelang heute auch deutlich besser als noch vor 2 Tagen, wo ich abgesessen bin. Ich beschloss mich etwas zurückfallen zu lassen, das Panorama und die wunderbar homogenen Aufwinde zu genießen, um mit dem herannahenden Werner (rot markiert im rechten Bild) wie schon im Jahr zuvor das Dreieck gemeinsam zu seiner Vollendung zu führen…
16: ich ließ mich etwas zurückfallen, um dann mit Werner gemeinsam von St. Johann aus zum Hochkönig zu queren 17: Cloudsurfing am Hochgründeck: Durch den NO-Wind konnte man herrlich an der Wolkenkante entlang schrammen, um dann zur Querung...

Das Panoramabild links spannt sein Blickfeld von Altenmarkt im Süden bis ganz rechts zurück zu den Ausläufern des Dachsteins. Man erkennt dabei schön den leichten N-Wind-Versatz, den es hier besonders gern zu haben scheint. Situation erkannt, für die Thermik-Suche eingebaut und in jede Thermik von der Nord-Seite her reinschieben lassen, was stets sanfte Einstiege von der Luv-Seite in die Bärte bedeutete. 🙂

Beim Hochgründeck waren Werner und ich wieder vereint und ihm gelang dieser wunderbare Shot vor der dunklen Kulisse der NO-Wind versetzten Cumulus-Fetzen…

18: ...über Bischofshofen (rechts unten) hinweg gemeinsam mit Werner anzusetzen 19: Werner-FlyBy #1  …bevor wir mit Halbgas zur Querung über die Salzach hinweg Richtung Hochkönig ansetzten. 11:40 Uhr – Zeit für einen kleinen Snack samt Foto-Session :-)Herrliche Aufnahmen unserer Flug-Gespanne…
19: Werner-FlyBy #2 21: Wir schießen uns gegenseitig :-)  … mit Blick auf das darunterliegende St. Johann (Bild links), bzw. auf das Tennengebirge im Norden (Bild rechts)
22: Thumbs up! Wir haben einen genialen Tag erwischt! 23: Traumhafte Aufnahme von Werner am Weg Richtung Hochkönig - nicht nur wegen solcher Fotos zahlt es sich aus, gemeinsam zu fliegen!!! :-) THUMBS UP! 🙂
Wir haben wirklich einen traumhaften Tag erwischt! Eine ebensolche Aufnahme gelang Werner am Weg Richtung Hochkönig: Rechts der Ausläufer des Tennengebirges und links der nur durch die Salzach getrennte nächste Gebirgszug des Hagengebirges. Davor die Ausläufer von Hirschkogel und Jägerköpfl – samt Bischofshofen am unteren Bildrand.Nicht nur wegen solcher Fotos zahlt es sich aus, gemeinsam zu fliegen!!! 🙂
24: Werner ließ mir höflicherweise den Vortritt... :-) 25: ...beim Erkunden der Thermikmöglichkeiten des uns zufuße liegenden Hochkönig

Werner ließ mir dann höflicherweise den Vortritt beim Erkunden der Thermikmöglichkeiten des uns zufuße liegenden Hochkönig.

Der nächste Aufwind am Hochkeil war schon perfekt markiert (siehe die vorderste Cumulus-Wolke im linken Bild  mit Schatten direkt über Gratspitze)…

26: Mit Werner im Teamflug 27: Das Einfädeln klappte bestens und mit Basishöhe flogen wir ab zur Westseite des Hochkönigs …und so war es auch kein großes Thema hier Anschluss zu finden – im Gegenteil: bereits bei der Annäherung stiegen wir im Geradeausflug Grat-parallel bis wir das stärkste Steigen erreichten und dann in der Synchro-Spirale Richtung Wolke drehten. Welch Luxus! Und wieder mal das Gefühl der Effizienz, das ich sooo liebe 🙂
28: ein schöner Schirm hoch über Mühlbach :-) 29: Werner mit guter Wolkenspur Noch vor Erreichen der Basis flogen wir weiter, denn auf der Spur zum Höchkönig sah es durchwegs gut aus: Aufwinde waren im Zwei-Kilometer-Abstand markiert.
Der Tag hatte nun endgültig zuverlässig zu funktionieren begonnen! :-)Werner wählte eine Fels-nahe Linie entlang des Hochkönig, während ich direkt „um’s Eck“ flog und Glück hatte gleich dahinter einen guten Bart zu erwischen, der mich auf ausreichend Höhe brachte um den Anschluss nach oben hin wieder herzustellen…
30: Werner mit guter Wolkenspur #2 31: einige km nach Saalfelden traf ich sogar auf meinen Bodenlosen Vereinskamerad Staufisch, der vom Stuberkogel aus gestartet war Werner erwischte den Bart nicht so optimal und zog knapp 100m tiefer weiter.
Wir hatten das Glück auf den 2. Pulk der Stuber-Dreieck-Fflieger zu stoßen, was uns das Thermikfinden zusätzlich etwas erleichterte. Wir konnten dadurch die wirklich guten Aufwinde noch leichter von den mittelmäßigen unterscheiden.
Bild rechts: Auf Höhe St. Lofer traf ich dann auch auf meinen Bodenlosen Vereinskollegen Staufisch, der in tieferer Etage seinen Weg Richtung Norden bahnte…
32: ...und auch er bahnte sich konsequent seinen Weg in den Norden 34: Blick zurück vom Sonntagshorn (an der Grenze zu D) auf den Abflugpunkt Mühlsturzhorn So war es auch möglich, dass ich nur 2 mittelmäßige Bärte auf dem Weg zum Großen Mühlsturzhorn  benötigte,  der letzten großen Erhebung vor der Querung nach Unken. (Das ist der Berg in ca. 10km Entfernung beim Blick zurück nach Österreich im rechten Bild)Lediglich Berni Peßl und David Lankmayer konnten durch noch bessere und sehr direkte Linienwahl entlang des Steinernen Meeres Zeit gut machen.

Zwischencheck: Zum Zeitpunkt meines thermischen Anschlusses nach der Querung über Unken Richtung Chiemgau war es 13:30 Uhr. Ein Funkspruch von Werner erreichte mich, der aufgrund seiner kleineren Hänger zwischendrin mitteilte, er werde bei Unken wenden. (Was auch seinen kleinen Schlenker dort Richtung Nord erklärt)…

33: Der Anschluss nach Unken war OK, aber die Basis Richtung Nord wurde nun deutlich tiefer 35: ...bevor es mit Basishöhe weiter Richtung Chiemgauer Alpen ging Durch das Versichern der guten Thermik am Hochgseng – in der ich mich bereits befand – konnte ich ihn trotzdem noch überzeugen Richtung Nord zu queren. Als Berni und David ihn endgültig eingeholt hatten, war er dann auch wieder voll motiviert und das Dreiergespann bahnte sich nun ebenso wie ich seinen Weg…
36: nördliche Endstation: Gurnwandkopf mit den 3 Seen davor 37: Blick zurück in den Norden nach dem Bart am Hocheisspitz (rechts)  …Richtung Gurnwandkopf mit seinen drei Seen davor (Bild links). An dessen Westende fand ich einen guten Bart, musste aber um einen Strekcenflug-Rekord FAI-konform durchzuführen noch in meinen völlig aus der natürlichen Flugspur gelegten nördlichsten Wendepunktradius einfliegen. Dies kostete mit Wieder-Aufdrehen in Summe 10 Minuten…Lehrbuchmäßig um 14 Uhr gewendet, unterstützte nun endlich die leichte West-Komponente zusätzlich. Bedingt durch die tiefe Basis am Gurnwandkopf schätzte ich es deutlich sicherer ein, eine Route über den südlich vorgelageten Kamm des Lemmbergs zu nehmen, als den gleichen Weg retour, den Werner zuerst im Sinn hatte.
Berni war wieder gut im Flow, zeigte sich von der Zeit unbeeindruckt und zog seine Wende nochmal 5km weiter nordwestlich Richtung Unterwössen raus – grandios!
38: prächtige Wolkenstraße voraus - pure XC-Erotik!!! ;-) 39: in der Ferne so manch seltsame Wolkenskulptur: "Walk like an Egyptiaaaan..." Meine Flugspur Richtung Süden war ein einziger Hochgenuss! Starke Aufwinde gepaart mit durchwegs luvseitigen Einstiegen ließen jeden Meter Richtung Alpenhauptkamm zur wahren Fliegerfreude werden. Exemplarisch im Bild links die Wolkenstraße entlang des Steinernen Meeres – mit so manch bizarrer Wolkenskulptur in der Ferne: „Walk like an Egyptiaaaan“ 😉
40: mit so einer Wolkenstraße vor einem reicht es, tiefer abzufliegen: hier der Blick auf den Dießbach-Stausee 41: Blick auf Höhe Saalfelden Richtung Alpenhauptkamm: Keine Überentwicklungen (Foto von Werner) Blick zurück auf die bereits konsumierten Aufwinde, die Werner und René (der nach der Unken-Querung wieder retourflog) ca. 20 Minuten hinter mir gerade abritten. Berni – durch den weiteren Wendepunkt – war ihnen auf den Fersen und David schaute sich die direkte Route über Steinplatte und Loferer Steinberge genauer an…Bild rechts (von Werner): Diese Wolkenspur hatte ich auf meinem Weg zur Querung des Pinzgaus Richtung Alpenhauptkamm genommen.
42: der Anschluss ins Rauriser Tal war mit Segelfliegern gut markiert und so ging es zügig weiter Richtung Süden 43: "because I'm happy..." - denn ich lag famos in der Zeit: es war noch nicht mal 16 Uhr! Mich selbst erwartete das Tor Richtung Rauriser-Tal mit weit geöffneten Pforten! Gute Aufwinde wurden durch Segler markiert und die Euphorie alles super erwischt zu haben erfuhr erneut einen Boost, als ich auf die Uhr blickte:  15:45 Uhr beim Anschluss ins Rauriser Tal! :-)YESS! Gut in der Zeit und nur mehr 20 Kilometer bis zum Alpenhauptkamm-nahen Wendepunkt im Süden…
44: über dem Kalkbretterkopf schoss dann doch ein CB-Vorbote in die Höhe: "Hoffentlich geht ihm nach oben hin der Saft aus..." 45: drohender CB im Brillenspiegel - "fliegen wir ihn mal eher tiefer an..."  …davor baute sich aber noch ein dicker Brummer bedrohlich und etwas unkalkulierbar auf (Bild links). Ringsum waren zwar keine voll entwickelten CBs zu sehen, aber wenn Du selbst gerade im Anflug auf das höchst-aufgeschossene und scharfkantig wachsende Superbummerl bist? Nun gut…
46: LowApproach an der dunklen Basis # 1 - Rest siehe Video :-) 47: aahh es geht schon gut mit 5m/s (siehe Vario) im langen Geradeausflug - schön am Rand bleiben... :-)  Da es genau auf meiner Flugspur lag und es sich gerade in der Pubertät vom Jungen zum Mann befand, ließ ich mal ordentlich Abstand zur Wolkenuntergrenze und tastete mich gemütlich im Trimmspeed an den schwarzen, glatten Boden dieser Zelle ran…

Das folgende Video zeigt den Approach und die Linie unter diesem dicken Brummer, die einmal mehr an diesem Tag perfekt geglückt ist: Ich dürfte wirklich einen gute Phase erwischt haben, denn es war einfach ein Hochgenuss sich mit den Aufwinden im Geradeausflug zu spielen 🙂

52: Blick auf die Alpensüdseite und Sportgastein links 53: Wendepunkt beim Filzenkämmfelsen Wie man auf dem Video schön sehen kann war die Basis dort auf 3300m und vor mir lag die Alpensüdseite in ihrer vollen Pracht und zum Greifen nah. Aber ich hatte ja meine FAI-Rekord-Wendepunkte noch im Hinterkopf und setzte meinen südlichsten Wendepunkt also dort auf Höhe…
54: Wendepunkt mit Bockhartsee im Hintergrund - aber so hart war's gar nicht ;-) 55: Blick auf die Thermik des Tages von Werners Cockpit aus: am Gamskarkogel ging's mit 6m/s integriert rauf (Spitzen bis 9m/s) - und das butterweich!  …Bockhartsee (im linken Bild rechts).Butterweich-See wäre an diesem Tag wohl ein passenderer Name gewesen, denn soo bockhart war’s dann dort gar nicht… 😉

Nach der Querung über das Gasteiner Tal dann der beste Aufwind des Tages: Der Gamskarkogel hatte – gemessen an den heutigen Durchschnitts-Verhältnissen – einen genialen Hammerbart zu bieten: großflächig ging es dort mit 4,5m/s integriertem Steigen Richtung Basis. David Lankmayer, der den dicken Brummer im Rauris ausließ und etwas früher gewendet hatte, nahm denselben Bart kurz hinter mir und konnte seinem Vario Spitzenwerte über 10m/s entlocken – was für ein Schräglagenkino!!!

56: rechtzeitig aus dem Ding raus und ab Richtung Stoder - sind ja nur mehr 60 km :-) 57: und wieder herrliche Wolkenstraße auf dem Heimweg Richtung Osten (hier vom Hundeck zum Draugstein im Großarl-Tal) Rechtzeitig raus aus dieser Rakete und weiter zur nächsten bestens markierten Thermikquelle dem Heimweg Richtung Osten: im Bild rechts eine Wolkenstraße vom Hundeck zum Draugstein im Großarl-Tal… GEWALTIG!!!
Weiter vorne konnte man in der klaren Luft schon deutlich den Dachstein wieder erkennen – und ich lag bestens im Rennen: es war erst 16:45 Uhr und ich mit genügend Höhe samt leichter Rückenwind-Komponente auf dem Weg Richtung Stoderzinken!
58: Traumpanorama auf die vor mir liegenden Heimreise-Optionen vom Kleinarl-Tal aus Richtung Ost 59: Dachstein voraus!

In dieser Tonart ging es Grat für Grat weiter heimwärts. David und ich konnten am Draugstein zu Robert Heim aufschließen, der an diesem Tag sein erstes 200er-FAI vom Stoder aus heimbringen sollte.
Das linke Bild zeigt das Traumpanorama auf die vor mir liegenden Heimreise-Optionen vom Kleinarl-Tal aus Richtung Ost. Robert und David entschlossen sich für eine Hauptkamm-nähere Linie, während ich 5km weiter nördlich meine Aufwinde suchte.

Im Bild rechts: DACHSTEIN VORAUS!

60: Bummerl über der Steinfeldspitze, östlich der Tauern-Autobahn 61: Schladming rückte näher - um 17:45 Uhr noch gutes Wolkenbild... Die Steinfeldspitze (im linken Bild in der Mitte) östlich der Tauern-Autobahn frohlockte mit dem nächsten Bummerl, an dessen Nordrand ich einige Segler gut aufdrehen sah – ein Bart mit 4m/s integriertem Steigen brachte mich in nur 7 Kreisen wieder zurück an die Basis, die mit 3500m genug Arbeitsraum für ein schnelles Heimkommen geboten hat.
Um 17:45 Uhr hatte es voraus zwar noch gutes Wolkenbild…
63: ab 18 Uhr begannen sich die Wolken langsam Richtung Hauptkamm zurückzuziehen - typisch Tauern... 62: lieber nochmal aufkurbeln und Panorama genießen …aber man merkte, dass der Thermik-Zenith des Tages nun endgültig überschritten war: Wie im Panorama-Bild links schön zu sehen ist,  begannen sich die Wolken von der Talseite her aufzulösen und Richtung Alpenhauptkamm zurückzuziehen. Die darunterliegenden Aufwinde wurden schwächer und das Rennen gegen die Zeit rückte wieder stärker ins Bewusstsein. „Jetzt brauch ich nur noch 3 Thermiken“
63: Mit meiner Gleitmaschine Ozone Mantra M6 ein wahrer Hochgenuss heute zu fliegen! 65: David (im Hintergrund) flog den Hauptkamm-Schenkel immer gut mit und hatte mich am schwächelnden Höchstein endgültig eingeholt. Er kurbelte dort noch, während ich in der Hoffnung auf bessere Thermik weiterflog...

Vom Geißstein südlich von Radsadt glitt ich direkt zum Steinkarzinken südlich von Schladming, wo ich den Bart nicht so optimal erwischte: Bei 3100m dirigierte ich mein ästhetisches Gleitwunder M6 weiter von der Sonne weg Richtung Osten. David schaffte es dort irgendwie nochmal auf 3500m und hatte mich so am Höchstein wieder eingeholt.

Dieser sonst als recht zuverlässig bekannte und exponierte Gipfel schwächelte aber. 🙁
Entweder machte sich der Einfluss des an diesem Tag hochreichenden Talwinds schon bemerkbar oder es begann um 18:30 Uhr wirklich schon abzustellen?!?
Ich war hin und her gerissen, ob ich nun weiter nach vorne pushen oder lieber die lauen Aufwinde weiter kurbeln sollte… Das erste Mal an diesem Tag eine schwierige Entscheidung – kurios eigentlich…
Ich entschied mich für ein Zwischending und…

66: um 18:35 Uhr bin ich endgültig in den hochreichenden ONO-Talwind abgesunken - aber "rechts der Pleschnitzzinken könnte noch gehen..." 67: Die Sonne knallte zwar optimal auf den Pleschnitzzinken (Bildmitte), der jedoch war schon Talwind-überspült und schenkte mir keine nutzbare Thermik mehr …flog die Ridge Richtung Aich (Bild links) noch etwas entlang in der Hoffnung, dass an deren sonnenbeschienener West-Flanke noch irgendwo was Kurbelträchtiges ablöste – aber nix…Somit weiter Richtung Ost zum direkt sonnenbeschienenen Pleschnitzzinken. Doch der war erst recht Talwind-überspült und schenkte mir keine nutzbare Thermik mehr. Kann das wirklich sein? EINE VERFLIXTE THERMIK sollte mir zum 270er fehlen? Ich war doch noch so gut in der Zeit?!? In Südtirol hätte ich noch mindestens 2 Stunden Thermik vor mir?!! Und hier stellt’s um 18:30 Uhr schon ab…
Doch ein Blick auf die blauen Fakten vor mir zeigten, dass weit und breit keine ergiebige Thermikquelle mehr im Gleitwinkelbereich lag – rund um’s Sölktal war ein blaues Loch… 🙁
68: nach restlichem Schlenker Richtung Stein an der Enns, war jegliche Höhenreserve verbraten und ich setze zur Landung am Landeplatz der Flugschule Skyclub an 69: Punkt 19 Uhr war nach 9,5 Stunden Schluß mit Hammertag-Fliegen

Es half alles nichts – das Spiel war vorbei! Mit Metallica-Zitat „Sad but true“ kurz verarbeitet und die restliche Höhe gegen den 25km/h ONO-Wind rausgeglitten und bei jedem Meter auf sowas wie Heu- oder Umkehrthermik im Tal gehofft. Aber mehr als verringertes Sinken war einfach nicht mehr drin…

So besann ich mich wieder auf die schönen Dinge, die mein Vario – abgesehen von der viel zu frühen Uhrzeit – sonst noch so zeigte: Da standen 260FAI-Kilometer im – zumeist überoptimistischen – Oudie-Rechner! HEYYY, GENIAL!!!

70: WHAT A DAY!!! 1 Thermik hat noch für das 270er gefehlt - aber irgendwann find ich auch die... Wir haben halt keinen Kreuzkofel hier, der bis 21 Uhr thermisch geht - aber immerhin wunderbare sanfte Bedingungen bei heimischen Traum-Panoramen! :-) So ließ ich mich vom Talwind noch zur offiziellen Landewiese bei der Flugschule Skyclub schieben und setzte dort um Punkt 19 Uhr auf.

„WOW!!! Neues Personal Best – und das vom heimischen Stoder aus… Tss, wer hätte das gedacht“ – schoss es mir durch den Kopf und Endorphin in die Blutbahn.

Dass es nach der finalen GPS-Auswertung mit 257,6km dann doch ganz knapp nicht zum neuen PB reichte, lässt sich aber leicht verschmerzen. Denn als Gesamtpaket war das, was in den letzten 9,5 Stunden passiert ist, einer der genussträchtigsten Flüge meiner Fliegerkarriere – und ganz nebenbei neuer STODERZINKEN- und STEIERMARK-REKORD *freu* 🙂

Retrospektive:

71: von Werner's Cockpit, der gegen 18:10 Uhr gut 20 km hinter mir auf Höhe Tauernautobahn flog: da war noch alles bestens markiert!

Von Werner’s Cockpit, der gegen 18:10 Uhr gut 20 km hinter mir auf Höhe Tauernautobahn flog: da war noch alles bestens markiert!

Warum stirbt die Thermik an der Alpennordseite so viel deutlich früher ab, als im Süden? Liegt es wirklich nur am Kreuzkofel, der uns hier im Norden fehlt?
Da man am Abend immer weiter von der Sonne wegfliegt, ist es vielleicht doch besser, die ersten beiden Wendepunkte noch weiter rauszulegen und die Verlängerungs-Option Richtung Ost in den Tauern am Ende wirklich nur als puren Bonus zu sehen, falls es doch mal länger geht?
Oder die letzten Kilometer beinhart am Alpenhauptkamm fliegen, um wirklich bis zu allerletzt vor dem Ost-Talwind geschützt zu sein und dort doch noch eine zusätzliche Thermik vorzufinden?
Ist das Sölktal überhaupt um die Uhrzeit noch zu überwinden oder einfach eine Thermik-killende Barriere?
Oder etwa einparken und warten bis Umkehrthermik in der Region einsetzt – und wenn ja: wo und woran erkennt man die, wenn’s blau bleibt?
Oder ganz was anderes: gleich in der Früh rüber zu Kammspitz (und evtl. Grimming) und dafür etwas sicherer den Rossbrand nehmen und einfach versuchen so weit es geht wieder heim zu kommen?

Dies sind nur einige Fragestellungen, die wir noch bei etlichen Landebier-Runden im „inneren Stoder-FAI-Dreieck-Weiterentwickler-Kreis“ erörtern werden. 🙂
Für mich ist auf alle Fälle wiedermal augenscheinlich geworden: Das Dreieck hat klares 300er-Potenzial. Mit 2-3 Basis-Thermiken mehr wär das sogar diesmal schon in Reichweite gelegen…

72, wieder Werner: war weiter vorne schon alles blau, hatte der Steinkarzinken südlich von Schladming zu meiner Landezeit um 19 Uhr noch ein Thermikmützerl...

Foto von Werner: der Steinkarzinken südlich von Schladming hatte zu meiner Landezeit um 19 Uhr noch ein Thermikmützerl, dahinter war alles in der Region blau…

Lessons Learned:

  • Beim Entlangfliegen am Steinernen Meer, die Thermiken VOR den „Ecken“ nutzen, um diese abzuschneiden; so lassen sich Umwege und 1-2 Thermiken vermeiden
  • Einen FAI-Rekord regelkonform zu fliegen schränkt die Möglichkeit, das Dreieck als solches Strecken- und somit Punkte-mäßig zu maximieren ein. Entweder Eckpunkte geschickter setzen, dass diese IMMER auf der Flugspur liegen oder Priorität wieder auf das Maximieren des am Tage Möglichen zu legen – neues PersonalBest wäre drin gewesen, hätt ich den 10-minütigen Nord-Umweg in den Wendepunkt-Radius nicht gemacht…
  • Am Ende ging den Tauern doch etwas zu früh die Luft aus: um 18:15 Uhr lösten sich von Nordosten her die meisten Bummerl auf und der Wettlauf gegen das Raussinken in den Talwind begann unweigerlich – Die Tauern haben eben leider keinen Kreuzkofel, der einem nochmals eine Stunde Spitzenthermik schenkt… – Alternativen??? -> Noch suchen – oder eben schneller fliegen 🙂
Hast Du bis hier hin durchgehalten? Dann würde sich mein Gästebuch extreeem über eine kleine Wortspende freuen! *ggg*

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One Response

  1. Michael Westphal sagt:

    Super Impressionen! Vielen Dank für diesen interessanten Bericht.

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